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Menschen und Medien: Giovanni di Lorenzo

Haben Sie schon mal einen Artikel von Hans Lorentz gelesen? Nein? Von Giovanni di Lorenzo aber schon. Di Lorenzo ist Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Zeit", Mitherausgeber des "Berliner Tagesspiegels" und Moderator der bekannten und beliebten Talkshow "Drei nach Neun" bei "Radio Bremen". Dem bayerischen Publikum war er allerdings schon länger durch seine damalige Moderation beim Bayerischen Fernsehen in der Sendung "Live aus dem Alabama" und durch seine Arbeit bei der Süddeutschen Zeitung bekannt.

Pseudonym Hans Lorentz

Unter dem Pseudonym Hans Lorentz - so erzählt der erfolgreiche Journalist bei der Veranstaltung "Menschen&Medien" der CSU-Medienkommission - ist allerdings sein allererster Artikel in einer Münchner Zeitung erschienen. Staatsminister Dr. Markus Söder, der Vorsitzende der CSU-Medienkommission, moderierte den kurzweiligen Abend mit di Lorenzo im Münchner Haus der bayerischen Wirtschaft.
Dass di Lorenzo sich nicht nur als brillanter Journalist, sondern auch als erfahrener Medienmanager einen Namen gemacht hat, wundert die gebannt lauschenden Zuhörer nicht. Wenn er erklärt, warum einige Zeitungen durch das Internet in eine Krise gestürzt werden und andere daran sogar wachsen können, dann spüren die Zuhörer, dass hier ein Redner sitzt, der strategische Zusammenhänge nicht nur erkennt, sondern auch erklären kann. "Man kann junge Leute erreichen, aber man muss was dafür tun", so der Sohn einer Deutschen und eines Italieners.

Wertevermittlung

Ein spannendes Zweiergespräch zwischen dem Wahlhamburger und Dr. Söder entwickelte sich bei der Frage, wie es den konservativen Parteien in Europa gelingen kann, Werte zu vermitteln und Orientierung zu geben. Doch genauso auf den Punkt gebracht lenkte Söder durch seine Fragen die Diskussion auf Themen wie Online-Engagement der öffentlich-rechtlichen Sender. Es verwunderte nicht, dass der Zeitungsmann di Lorenzo die Konkurrenz der Öffentlich-rechtlichen kritisierte. Während oder gerade weil diese immer mehr in den privaten Medienmarkt vordrängen, nähme die Quotengläubigkeit in den Sendern immer mehr zu. Di Lorenzo ermunterte in seinen leidenschaftlichen Antworten die Politik, am Qualitätsanspruch an den öffentlich-rechtlichen Journalismus festzuhalten: "Wir sollten uns auch in Zukunft die Kulturleistung Information leisten."

Medienjunkie di Lorenzo

Doch nicht nur Medienpolitik bestimmte den Abend. Es sollte ja auch um den "Mensch Giovanni di Lorenzo" gehen. Und der zeigte sich als Medienjunkie, der täglich Unmengen von Zeitungen intensiv liest, dessen erste Liebe der italienische Fußball war und der zum Einschlafen dann immer noch liest, und zwar Belletristik.
Als Söder ihn nach einem informativen Abend verabschiedete, wurde deutlich, warum Giovanni di Lorenzo ein Vollblutjournalist ist: "Ich hätte noch so viele Fragen an Sie", drehte der Befragte den Spieß um.