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Mediennacht 2009: Eine Sache des Abwägens

Meinungsmacher, Stimmungsmacher, Stimmenmacher? Zum Verhältnis von Medien und Politik diskutierten bei der CSU-Mediennacht der Vorsitzende der CSU-Medienkommission, Markus Söder, Ministerpräsident Horst Seehofer, der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung Hans Werner Kilz und Sigmund Gottlieb, Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens.

Geht der Quellenschutz vor Quelle-Schutz? Am Wochenende hatte die Süddeutsche Zeitung mit Berufung auf anonyme Informanten berichtet, die Bundesregierung halte Quelle für nicht überlebensfähig - ein Schock in kritischer Lage. Ministerpräsident Horst Seehofer kritisierte dies bei der Runde im Haus der Wirtschaft als "nicht in Ordnung": "In diese gespannte Situation hinein, wo alles am seidenen Faden hängt, war das ein Hammer." SZ-Chefredakteur Hans Werner Kilz betonte den Gehalt der Meldung, berief sich auf die "Kakopohonie in der Politik", fand aber nur bedingt  Widerhall. Seehofer: "Sie hätten ja schreiben können, dass es verschiedene Meinungen gibt, ja sogar, dass wir zerstritten sind, das hätte nichts ausgemacht." Sigmund Gottlieb bezeichnete die Angelegenheit als "Frage der richtigen Abwägung": Erwähnen ja, aber nicht gleich in der Überschrift. Er kritisierte die Praxis der "selektiven Recherche": "Man kann aus allem eine Geschichte machen, wenn man nur eine Reihe von Zeitzeugen weglässt."

Das wollte Kilz gegenüber dem Fernseh-Chefredakteur nicht stehen lassen: "Sie unterstellen uns da manipulativen Vorsatz." Wie er zu Recht feststellte, gingen Journalisten mit Nachrichten oft verantwortungsvoller um als die Informanten, die nicht selten ihre eigene Ziele verfolgten. Die Ahnung, dass die große Münchner Zeitung mit ihrer Tatarenmeldung eine sich selbsterfüllende Prophezeiung getätigt haben könnte, wollte aus dem überfüllten Konferenzraum im Haus der bayerischen Wirtschaft dennoch nicht mehr weichen. Die Diskussion drehte sich nicht zuletzt um den Wahrheitsgehalt anonymer Tipps. Markus Söder, der als Vorsitzender der CSU-Medienkommission die Diskussion moderierte, bezweifelte den Gehalt von Nachrichten, die auf Basis von "fünf, sechs anonymen Quellen" geschrieben würden.

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Diskutiert wurde auch über den Bundestagswahlkampf. Kilz bemerkte mit leisem Spott, dass ein SPD-Abgeordneter die Wähler mit seinem Bild verschonen wolle und auf Plakaten stattdessen mit einem Smiley werbe. "Das sollte sich die SPD vielleicht insgesamt für ihren Wahlkampf überlegen." Markus Söder hakte bei Seehofer nach, wie er zur Kritik wiederholter Meinungsänderung stehe. Seehofer wies auf schwierige Entwicklungsprozesse gerade im Fall der Grünen Gentechnik und des Gesundheitsfonds hin und betonte die Notwendigkeit von Korrekturen: "Das hat nichts mit Achterbahnfahrt zu tun und auch nichts mit Wackelpudding. Außerdem wären wir Übermenschen, wenn wir keine Fehler machten." Sigmund Gottlieb verwies auf die wichtige Rolle der Medien, so lange sie Zusammenhänge erklärten: "Dass das Vertrauen in die Politik wieder gewachsen ist, dass die Leute trotz Krise gelassen sind, liegt vielleicht auch an den Medien."

Auch um den Medienkonsum der Fachleute auf dem Podium ging es. Kilz lobte die Öffentlich-Rechtlichen, kritisierte gleichzeitig aber deren Hang, sich im Schielen nach Quoten den Privaten anzunähern. CSU-Chef Seehofer verwies auf seinen vollgepackten Terminkalender, auf das Bedürfnis, ein gutes Buch zu lesen und sich mit seiner Familie zu beschäftigen. "Abends brauche ich eine Abkühlphase", sagte er und lachte: "Erst wenn ich mich dann morgens warmlaufen will, lese ich die Süddeutsche."

Quelle: Bayernkurier