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Veranstaltung des ASP Günzburg

Bürgerkrieg in Syrien - Entstehung, Verlauf und Zukunft

 
V.l.n.r.: Christian Renz und Christoph Schwarz (Vorsitzende des ASP Günzburg), Dr. René Rieger aus München, Alois Held (JU-Ortsvorsitzender), die stellvertretende Landrätin Monika Wiesmüller-Schwab, Robert Schmidt (CSU-Ortsvorsitzender)

Bürgerkrieg in Syrien – Entstehung, Verlauf und Zukunft

Der Arbeitskreis für Außen- und Sicherheitspolitik (ASP) der CSU im Landkreis Günzburg sowie die CSU und JU Thannhausen haben vor wenigen Tagen zur ersten Sicherheitspolitischen Runde des Jahres eingeladen. Dr. René Rieger, Politikwissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität München, referierte im Hotel Schreiegg´s Post zu der aktuellen Lage des Syrischen Bürgerkrieges. Das mit 100 Zuhörern vollbesetzte historische Kreuzgewölbe zeigte das Informationsbedürfnis der Bevölkerung.

Zu Beginn der Veranstaltung zeigte der Kreisvorsitzender des ASP Christoph Schwarz die aktuelle sicherheitspolitische Lage auf „Durch den anhaltenden Ukraine-Konflikt, den „Islamischen Staat“ und die destabilisierenden Folgen des „Arabischen Frühlings“ hat sich ein „Ring of Fire“ um Europa gebildet, der sich durch komplexe Gewalt und nicht überschaubaren Auswirkungen auszeichnet“, so Schwarz. Das Ergebnis sind derzeit weltweit über 60 Millionen Flüchtlinge. Ein Ende der Konflikte sei nicht in Sicht. Er sehe eher eine Entwicklung ähnlich des „30-jährigen Krieges“.

Ursachen des Syrischen Bürgerkrieges

Eine zunehmende Spirale der Gewalt war eine der Ursachen und zeigte sich auch bei der Entstehung sowie Entwicklung des Syrischen Bürgerkrieges. Zu Beginn protestierte die Bevölkerung noch gegen steigende Brotpreise und die Korruption der Behörden. Der syrische Präsident Baschar al Assad antwortete darauf jedoch mit brutalter Gewalt durch Armee und Polizei – nach kurzer Zeit befand er sich an einem „Point of no Return“, so Rieger. An diesem Punkt spaltete sich die Armee. Viele Offiziere und Soldaten wollten nicht mehr auf die eigene Bevölkerung schießen und schlossen sich zur Freien Syrischen Armee zusammen.

Einmischung von außen

Dabei sah es zunächst so aus, als würde Assad dasselbe Schicksal ereilen wie Ben Ali in Tunesien und Mubarak in Ägypten. Die Freie Syrische Armee konnte zu Anfang mit Unterstützung der Bevölkerung Teile Syriens für sich gewinnen. Assad konnte sich jedoch in den westlichen Teilen des Landes konsolidieren. Vor allem in den Gebieten, die mehrheitlich von Alawiten bewohnt sind, und somit dem Assad-Regime zugeordnet werden. Als sich keine schnelle Lösung des Konflikts abzeichnete, spaltete sich der Wiederstand und es drangen Kräfte von außen ein. So zersplitterte sich die Opposition in Kurden, Islamisten und andere Gruppierungen. Die geschwächte Al-Quaida im Irak nutzte dieses Machtvakuum, um in Syrien Fuß zu fassen und konnte dort Territorien im östlichen Teil des Landes besetzen.

Die Entstehung des IS

Aus diesem Vorstoß entstand der sogenannte Islamische Staat in Syrien und Irak, der sich alsbald aufgrund von internen Auseinandersetzungen von Al-Quaida lossagte. Mit dem gewonnen Territorium in Syrien konnte der IS sich in den Irak zurück kämpfen. Diese schnellen Erfolge bauten vor allem auf die Unterstützung der sunnitischen Bevölkerung, welche die größte Population im westlichen Teil des Iraks und im östlichen Syrien stellen. Auch die Türkei hatte ihren Anteil an diesem Erfolg. Sie ließ im Jahr 2014 ungehindert radikalisierte Kämpfer in das selbsternannte Kalifat reisen. Die Türkei sah während dieser Zeit in einem kurdischen Staat eine größere Gefahr, somit war der IS aus damaliger türkischer Sicht eher das geringere Übel. Mit der Einnahme der Zentralbank in Mossul im Jahr 2014 sicherte sich der IS die finanzielle Basis für seine Expansion.

Aktuelle Situation

Im Moment befindet sich die Freie Syrische Armee eingeengt auf einen Landstrich im Nordosten Syriens zwischen Assads Truppen und dem IS. Durch das russische Eingreifen habe sich Assads Position deutlich verbessert. Außerdem konnte er dadurch einen weiteren Teil seiner Strategie verwirklichen. Sollte die Freie Syrische Armee ausgeschaltet sein, gäbe es nur noch die Wahl zwischen ihm und dem IS. Assads Aussage, er „kämpfe gegen Terroristen“, würde sich somit bewahrheiten.

Vorhersagen, wann der Krieg in Syrien vorbei sei, ließen sich derzeit nicht treffen. Rieger gehe davon aus, dass der Krieg noch lange anhalte und militärische Interventionen keinen Nutzen bringen würden. Niemand sei in der Lage, dieses Problem zu lösen und so könne auch er sich der Theorie anschließen, dass es Jahre oder sogar Jahrzehnte brauche, um die Probleme und Gruppierungen in den Griff zu bekommen.