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CSU Ostallgäu

Wirtschaftsministerin Aigner spricht mit Hoteliers und Gastwirten

 

Bei einer Diskussionsrunde im Museum der Bayerischen Könige in Hohenschwangau diskutierte Aigner, die auf Initiative der heimischen CSU-Landtagsabgeordneten Angelika Schorer im Ostallgäu war, mit Hoteliers, Gastwirten und Tourismusverantwortlichen der Region. Deren Forderungen: mehr Förderung, moderne Verkehrsmittel, aber auch mehr Interesse vonseiten der Politik für die Region und ihre Möglichkeiten.

Vielleicht könnten die Touristenzüge nach Füssen bald von LOHCs gezogen werden. Wobei das Kürzel nicht für Lokomotive sondern für Liquid Organic Hydrogen Carrier steht. Lokomotiven, die anstatt mit Diesel mit verflüssigtem Wasserstoff betrieben werden – die Technologie der Zukunft. Im Moment zwar noch Zukunftsmusik, von der Ilse Aigner im Palmengarten des Museum sprach, aber eine, von der die Region profitieren würde, wie die Staatsministerin meinte, zu deren Ressort auch der Tourismus gehört.

Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) hatte das Thema angesprochen sowie eine Modernisierungsinitiative angeregt und mehr Fördermittel für den Tourismus im Allgäu gefordert. Das Allgäu, insbesondere dessen östlicher Ausläufer mit Schloss Neuschwanstein sei eine der weltweit bekanntesten Tourismusdestination, so Zinnecker. Man müsse aber die einzelnen Ziele innerhalb Bayerns noch besser vernetzen, weshalb der Öffentliche Nahverkehr gestärkt und beispielsweise die Bahnstrecken elektrifiziert werden sollten. Oder eben gleich mit einer Zukunftstechnologie aufgewertet werden sollten.

Das war eine Vorlage, die Aigner nur zu gerne aufgriff, auch wenn die Idee eines LOHC-Zuges momentan noch nicht wirklich spruchreif ist. Derzeit werde ausgeschrieben, so Aigner, die mit ihrer Alpenstrategie die Aufwertung der 13 Landkreise entlang der bayerischen Alpen anstrebt. So sieht es beispielsweise eher mau aus bei den Forschungseinrichtungen für den Alpenraum; lediglich in Kempten und in Rosenheim gibt es entsprechende Hochschulen. Deshalb dürfe man den Alpenraum nicht aus den Augen verlieren und müsse ihn entsprechend fördern. Etwa mit der „Premiumoffensive“ für den Tourismus, für die der Freistaat Bayern gerade insgesamt zehn Millionen Euro bereitgestellt habe. Damit soll vor allem die Qualität der Betriebe und des Tourismus im Allgemeinen gesteigert werden. Gelder gibt es auch für die Seilbahnbetriebe, auch Themen wie die Förderung von Loipenspurgeräten würden diskutiert, oder die Berggasthöfe, die an moderne Standards angepasst werden sollen, so der Gast aus München weiter.

Wie schon zuvor in Buching, wo Aigner das Familienunternehmen ept besuchte, hatte es die Wirtschaftsministerin nun auch in Schwangau mit Global Playern (des Tourismus) zu tun, die dabei aber vor allem eines sind: Familienunternehmen. Doch auch diese spüren die Probleme wie den Fachkräftemangel. Ein Umstand, den Aigner mit dem Initiative „Elternstolz“ begegnen möchte. Wobei Aigner sich sehr wohl bewusst war, dass der Tourismus früher eher stiefmütterlich behandelt und nicht als ernst zunehmender Wirtschaftszweig angesehen wurde. Ein Teil der Probleme, insbesondere beim Nachwuchs, rühre daher, so Aigner weiter. Dabei würden vom Tourismus viele andere Zweige wie das Handwerk und der Handel profitieren. Doch nicht nur in dieser Hinsicht müsse die Politik aktiv werden, geht es doch auch um bezahlbaren Wohnraum für die lokale Bevölkerung und damit für die Arbeitnehmer. Ohnehin machen sich Ausbildungsbetriebe sorgen über den Wegzug der Jugend in die Metropolen, aber auch über die Attraktivität ihres Berufes. Andreas Eggensberger etwa nannte eine 50-prozentige Abbrecherquote bei Köchen. „Haben wir ein Imageproblem?“, so der Hotelier, oder warum würden so viele Jugendliche ihre Ausbildung abbrechen. Eine Frage, die mit Hilfe einer Diplomarbeit ein stückweit hätte geklärt werden könne, bedauerte Eggensberger. Leider sei die dafür nötige Befragung untersagt worden. Hier werde man sich engagieren, versprachen Landrätin und Ministerin. Wobei Aigner abermals die Problematik auch bei den Eltern verortete: Wenn diese stöhnten, sei deren Beruf wenig attraktiv für den Nachwuchs. Auch den ländlichen Raum zu attraktivieren sei eine Möglichkeit, fand Aigner mit Blick auf einen anderen Fragesteller. Und betonte, wie teuer das Leben in der Stadt sei: „München muss man sich leisten können“, so Aigner.

Angelika Schorer merkte an, dass man gerade für den anstehenden Doppelhaushalt Mittel für die Dorferneuerung bereitstelle, etwa für bezahlbaren Wohnraum. Das Thema sozialer Wohnungsbau dürfe nicht nur mit Asylwerbern gleichgesetzt werden. Das Thema Infrastruktur treibt aber alle heimischen Hoteliers um, vor allem mit Blick auf den Tagestourismus auf Schloss Neuschwanstein. Hier gab es Vorschläge über eine Kontingentierung der Tickets für Übernachtungen und Tagestouristen, das Stichwort Digitalbonus wurde in den Runde geworfen und auch die Winter-Aufstauung des Forggensees.

Christoph Helmer, Schwangaus Wirtesprecher, blickte mit Sorge auf die Parkplatzsituation in Hohenschwangau und mahnte, dass jeder Hotelier und Gastwirt entsprechend Parkplätze nachweisen müssen – nur der Freistaat als Schlossbesitzer könne nicht einen einzigen für das Schloss ausweisen. Weshalb er sich ein wenig Hilfe und Unterstützung vom Freistaat bei der Lösung dieser Problematik erhofft. Die Schlösser- und Seenverwaltung falle in das Ressort ihres Kollegen Markus Söder, erklärte Aigner. Der Füssener Hotelier Wilhelm Schwecke, der enge Verbindungen zu Japan unterhält, berichtete dagegen von einer Patenschaft zwischen Schloss Neuschwanstein und dem Schloss von Kobe. Scheinbar sei das Interesse an dieser Patenschaft auf deutscher Seite aber sehr gering, war Schwecke enttäuscht. Das dortige Schloss sei mehr als 400 Jahre alt und auch Weltkulturerbe. Eine entsprechende Patenschaft für Schloss Neuschwanstein könnte den Weg zu einem entsprechenden Status erleichtern, war sich der Hotelier sicher und hofft nun auf mehr Engagement seitens der Verantwortlichen. (Oliver Sommer/Kreisbote)