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CSU-Fahrt nach Grafenwöhr und Flossenbürg

Gedenken und Verantwortung

 
CSU-Gruppe vor dem Schießplatzeinschlagfeld der US Army Grafenwöhr.

Lkr. RH/LAU (dn) „Der Wert eines Menschenlebens und von Freiheit wird einem traurig bewusst, wenn man sich in ein ehemaliges KZ begibt“, fasste der CSU-Kreisvorsitzende Volker Bauer, MdL, noch sichtlich bewegt, nach dem Besuch des KZ Flossenbürg unweit der tschechischen Grenze zusammen. Mit seinem Kreisvorsitzendenkollegen aus dem Nürnberger Land Norbert Dünkel, MdL hatte Bauer zu einer Fahrt zur KZ-Gedenkstätte und der US Army in Grafenwöhr eingeladen.

„Für die CSU hat Flossenbürg eine besondere Bedeutung“, so der Landtagsabgeordnete Volker Bauer. „Der Gründer unserer Partei Josef Müller war hier inhaftiert. Wichtiger für uns heute ist aber, sich bewusst zu machen wer dieses KZ befreit hat, wie es in Deutschland dazu kommen konnte, dass Menschenleben systematisch vernichtet wurden und was dazu beigetragen hat, dass Krieg, aber vor allem der Rückfall in Diktatur und Unmenschlichkeit in Deutschland und weiten Teilen Europas nach 1945 verhindert werden konnten. Schnell landet man bei der NATO. Diese europäisch-amerikanischen Partnerschaft ist mehr als ein Militärbündnis, sondern die Verteidigung gemeinsamer Werte“, erklärte Bauer, der im letzten Jahr auch Russland bereiste und Zeitzeugengesprächen zum Kriegsende im Landkreis Roth veranstaltete.   

Dass diese aktuell auf beiden Seiten des Atlantiks bedroht werden, erfuhr die Reisegruppe am Eingang zur Militärbasis Grafenwöhr. Nach den Terroranschlägen in Orlando, München und zuletzt Ansbach verschärfte die US Army ihre Kontrollen. Auf Vermittlung des von den US-Militärs als wichtigen Fürsprecher und Partner gelobten CSU-Innenministers Joachim Herrmann, MdL durften sich 40 CSU’ler dennoch einen Überblick über den Standort von insgesamt 10.000 US-Soldaten und ihren Angehörigen machen. Zusammen mit den Standorten Hohenfels (NM), Garmisch und Oberammergau bildet Grafenwöhr die insgesamt 36.000 Mann starke Garnison Bavaria. Für die ostbayerische Region ist die US Army ein wichtiger Faktor. 3.000 zivile Arbeitsplätze stellt sie zur Verfügung. 85 Prozent der Soldaten wohnen in umliegenden Kommunen und suchen hier den Austausch mit der Bevölkerung. Und von der Wirtschaftskraft von 665 Millionen Euro (Löhne, Service-, Bau-, Beschaffungsverträge/Privatausgaben) profitiert vor allem die nördliche Oberpfalz.

Aber auch die weitere Umgebung profitiert von der US-Präsenz. Da die NATO-Russland-Akte die dauerhafte Stationierung von Kampfbataillonen verbietet, stationiert die NATO, gestützt durch die US Army in Grafenwöhr und europäische Verbände, in Rotation Bataillone in Rumänien und Polen, um, so Pressesprecherin Susanne Bartsch, „russischer Aggression abschreckend zu begegnen.“ Osteuropa gewinnt also durch Grafenwöhr an Sicherheit.    

Bei einer Gefechtsdorf-Begehung erklärte, Bundeswehr-Hauptfeldwebel Daniel Krenzer als einer von 16 in Grafenwöhr stationierten Bundeswehrsoldaten, dass am Standort auch für Auslandseinsätze im Zusammenhang mit der Bekämpfung des internationalen Terrorismus geübt werde. Hier schließt sich der Bogen zum KZ Flossenbürg.     

Im Arbeitslager, das zur Granitsteingewinnung errichtet wurde und bis zum Kriegsende über 90 Außenlager – auch in Hersbruck und Houbirg – zugeordnet hatte, waren zwischen 1938 und 1945 insgesamt 100.000 Menschen inhaftiert. Auch nach Rednitzhembach hatte das Lager in Person des letzten Kommandanten Max Kögel eine Verbindung, wie der Leiter der Gedenkstätte Dr. Jörg Skriebeleit berichtete. Kögel flüchtete sich 1945, verantwortlich für hundertausende Morde, mit den Ausweispapieren eines ehemaligen Häftlings nach Rednitzhembach und beging nach seiner Gefangenahme durch die US Army 1946 im Schwabacher Gefängnis Selbstmord.   

Wie viele die unmenschlichen Arbeitsbedingungen und bisweilen wahllosen Morde im rechtsfreien Lager überlebten, kann bis heute nicht gesagt werden, da viele auch weiterdeportiert wurden oder zu Kriegsende bei Todesmärschen starben. Wie die heutigen IS-Terroristen sprachen auch die damaligen SS-Schergen und ihre vornehmlich kriminellen „Kapo-Helfer“ im Lager bestimmten Personengruppen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit bzw. sexuellen oder politischen Ausrichtung sämtliche Rechte ab und versuchten sie schlussendlich als in ihren Augen wertlosen Müll zu entsorgen.    

Volker Bauer fasst seine Erkenntnisse der Fahrt auf der Rückfahrt so zusammen: „Dort einzuschreiten, wo sich solches Denken und Handeln heute wiederholt ist unsere Aufgabe als westliche Wertegemeinschaft. Hier darf sich Deutschland nicht aus der Verantwortung stehlen und muss den Terroristen entschlossen aber besonnen die Stirn bieten, um Menschenrechte genau wie die Freiheit der Menschen zu verteidigen. Damit man ihren Wert begreift ist die Arbeit der Bayerischen Stiftung Gedenkstätten und ihres Vorsitzenden Karl Freller, so unglaublich wertvoll!“