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Digitalisierung und Schullandschaft

MdB Jarzombek zu Gast bei Marlene Mortler und der JU

 
Marlene Mortler, MdB und Volker Bauer, MdL (m.) testen mit Yannick Krug (l.) und Tobias Windbrake (Nureva) ein neues digitales Lehrmittel

BARTHELMESAURACH – Könnte der Landkreis Roth eine Modellregion in Sachen Digitalisierung an Schulen werden? Und brauchen wir eine gemeinsame Anstrengung von Politik, Unternehmern, Verbänden und Schulen für die weitere Entwicklung am Schulstandort Roth-Schwabach? Geht es nach dem JU-Kreisvorsitzenden Daniel Nagl und seinem technik-beschlagenen Schriftführer Yannick Krug lautet die Antwort klar „Ja“. Auf Anfrage der Bundestagsabgeordneten Marlene Mortler (CSU) organisierten die jungen Christsozialen in den kammersteiner Räumlichkeiten von „Franken Lehrmittel Medientechnik, einem der Markführer im Bereich Medientechnik, ein Hintergrundgespräch zu „ausBildung4.0“.  

Es sei wichtig, „einen digitalen Dialog anzustoßen“, so Hausherr Rüdiger Krug. Mit dem Landtagsabgeordneten Volker Bauer (CSU) und der künftigen Rektorin des Gymnasiums Hilpoltstein ist sich Krug einig:  Die Ausstattung der Schulen im Landkreis mit schnellem Internet, Tablets und WLAN muss so schnell wie möglich auf die politische Tagesordnung. "Ich bin bereit, hier in Kooperation mit den Schulen Marksteine zu setzen", sagte Rüdiger Krug und Volker Bauer wollte in München für Förderung werben. "Davon kann ich meine Landtags-Kollegen und auch das Ministerium sicher überzeugen", so der Parlamentarier. Schließlich will der Freistaat im nächsten Doppelhaushalt weitere drei Milliarden Euro für das schnelle Internet in Bayern einsetzen. 

Neben den durch die JU eingeladenen Unternehmern, Schulleitern, der IHK und der Unternehmerfabrik brachte Marlene Mortler einen echten Experten für Digitalisierung mit; ihren Düsseldorfer Kollege Thomas Jarzombek, Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Digitale Agenda und Gesellschafter einer IT-Service-Firma. Für ihn ist es an Schulen nicht damit getan, Klassenzimmer mit Wideboards auszustatten und zwei Webklassen einzurichten. "Wir müssen die Digitalisierung aktiv nützen und Talente für die Softwareentwicklung fördern", lauteten seine Hauptforderungen. Jarzombeks Meinung zufolge muss man sich in der Arbeitswelt auf eine echte Revolution einstellen. "Zwei Drittel der Jobs, die in 35 Jahren für Wertschöpfung sorgen werden, gibt es heute noch gar nicht", war Jarzombek überzeugt. Logische Konsequenz daraus: "Ein Tablet für jedes Kind."

Erfolgversprechende Schritte auf diesem Weg geht die Grund- und Mittelschule Georgensgmünd. "Als Medienreferenzschule überlegen wir eine Ganztagesklasse mit Tablets auszustatten", schilderte Konrektorin Ursula Amler erste Initiativen. Was dann möglich wäre, dafür lieferte Tobias Windbrake von der kanadischen Firma "Nureva" ein beindruckendes Beispiel. Deren "Span-System" erlaubt es, ganze Wände in digitale, interaktive Lernumgebungen zu verwandeln und fördert so den schülerzentrierten Unterricht. Schülergruppen können an der Wand  parallel arbeiten und diskutieren. Windbrake demonstrierte, wie man innerhalb kürzester Zeit Feedback von allen Schülerinnen digital sammeln und strukturieren kann. Dabei können sowohl Laptops als auch Smartphones und Tablets beliebiger Hersteller eingebunden werden. Die Software ist web-basiert. Sie kann auch für projektbasiertes Lernen außerhalb des Schulgebäudes genützt werden, von der Unterrichtsvorbereitung bis hin zu den Hausaufgaben. "Der Lehrende bekommt die Rolle eines Coaches, der die Schülerinnen bei Lernprozessen unterstützend begleitet und motiviert" erklärte Windbrake. 

Yannick Krug und Yannick Rüdinger sind 16 und Schüler des Adam-Kraft-Gymnasiums. Ihre Schilderungen zeigten, dass Lern- und andere Erfolge stark von der Ausstattung abhängen. Beide haben an der Schule das Wahlfach "Robotik" belegt und nehmen an Wettbewerben teil. "Dort waren die anderen Schulen immer wesentlich besser ausgestattet als wir", erklärten sie übereinstimmend. Die Verantwortung dafür trage die Stadt Schwabach als Sachaufwandsträger, hieß es. Unternehmer Bernd Krebs sah die Kommunen in der Pflicht. "Statt einen Radweg zwischen Göggelsbuch und Hilpoltstein zu bauen, sollte man in die Schulen investieren", meinte er für den Landkreis Roth.

Krebs ist Gründer und Geschäftsführer der Firma "toolcraft" in Georgensgmünd mit mittlerweile 350 Beschäftigten. Er hielt den Einfluss der Industrie auf schulische Bildung für unerlässlich. Neben die allgemeinbildende Seite der Schulausbildung sollte zunehmend der Erwerb konkreter praxisorientierter Fähigkeiten treten.  "Wenn ich auf den höchsten Berg will, studiere ich dann Bergsteigen oder gehe ich jeden Tag klettern?", so sein griffiges Bild. Dem widersprach der Rother Unternehmer Joachim von Schlenk-Barnsdorf. "Wir brauchen den gebildeten und aufgeklärten Menschen, den mündigen Staatsbürger, der umgehen kann mit moderner Technik", so der Chef des Rother Industrie- und Handelsgremiums. Von Schlenk hielt insbesondere die Fähigkeit zur Übertragung einmal erworbener Fähigkeiten auf andere Bereiche für bedeutsam. "Das Transferwissen ist in der Zukunft immer mehr gefragt", sagte von Schlenk.

(Mit freundlicher Genehmigung durch Robert Schmitt)