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Wolfgang Bosbach, MdB in Roth

Wer ist wir? Und was ist das?

 
Foto: Schmitt

Roth (dn) Über „ausgewählte Themen, die für die Zukunft Deutschlands, Europas und der Welt“ wolle er sprechen, so der ehemalige innenpolitische Sprecher der CDU/CSU Wolfgang Bosbach, MdB bei der besonderen Kreisdelegiertenversammlung des CSU-Kreisverbandes Roth. Der CSU-Kreisvorsitzende Volker Bauer, MdL hatte den CDU-Politiker bewusst eingeladen. Die großen Themen „Frieden“ und „Wohlstand“ streifte der Rheinländer zu Beginn. Er griff die Feststellung des 1. Bürgermeisters der Stadt Roth Ralph Edelhäußer, „wir jammern auf hohem Niveau“ auf und erklärte, weltweit sei Deutschland das Land, in dem die Menschen am liebsten leben möchten. „In Deutschland steht Deutschland jedoch nur an achter Stelle.“ Dies verwundere vor allem, da direkt an den Grenzen Europas ein Kontrast gegeben ist. Mit Blick auf die Entwicklung im Osten wurde Bosbach deutlich: „Putins Versuch nachzugeben, Grenzen mit Waffengewalt zu verschieben, wäre der größte politische Fehler.“

Aber auch in der Innenpolitik sah der langjährige Bundestagsabgeordnete Grenzen erreicht. Er habe „manchmal das Gefühl, wir sind zu tolerant mit denen, die gar nicht daran denken, tolerant zu sein.“ Applaus bei den CSU-Delegierten im Saal.    

„Es gibt eine Sehnsucht nach Klartext“, bilanzierte Bosbach, wie zur Bestätigung. Nochmals stieg der Applauspegel, als Bosbach erklärte, man sich zwar auch Gedanken über die selbstverschuldete Entchristianisierung machen müsse, dass aber derjenige, der nach der Scharia leben wolle, sich den falschen Staat ausgesucht habe. Aber der erfahrene Rhetor setzte noch einen drauf. Er lobte die Leistungen des Freistaats Bayerns im Blick auf den Ansturm an Flüchtlingen und erinnerte daran, dass es zwar keine rechtliche, aber eine faktische Obergrenze an zu bewältigendem Zuzug gäbe. Eine Lösung der Herausforderung könne nur eine Verteilung der Lasten auf europäischer Ebene bringen. Seine Kritik an der seit letztem Jahr deutlich korrigierten Flüchtlingspolitik der Bundesregierung packte Bosbach in die rhetorische Frage: „Wer ist wir? Und was ist das?“ Abermals Applaus bei der CSU-Basis.    

Da auf der besonderen Kreisdelegiertenversammlung des CSU-Kreisverbandes Roth diejenigen 73 Delegierten gewählt wurden, die am 24. November in Lauf den Bundestagskandidaten der CSU im Wahlkreis Roth (Lkr. RH und LAU) bestimmen, nutzte Bosbach die Stimmung im Saal um die Leistungen seiner langjährigen Abgeordnetenkollegin Marlene Mortler, MdB zu unterstreichen. „Marlene redet nicht nur. Sie handelt auch. Und sie hat einiges erreicht; etwa im Blick auf die B131n und die Stromtrasse.“ Generell erinnerte Bosbach daran, dass die Union bei der Bundestagswahl 2017 nur erfolgreich sein werde, wenn CDU und CSU gemeinsam antreten. Mit welchem Kanzlerkandidaten ließ er offen.