Wichtige und witzige Daten und Fakten der Geschichte Obermichelbachs

(Quelle: Bücher„Obermichelbach“ von Roland Kühn und Helmut Mahr herausgegeben von der Gemeinde Obermichelbach)

 

Vor 1337 gehörten die Orte Obermichelbach, Untermichelbach und Rothenberg zum Sprengel Herzogenaurach, wurden dann aber in diesem Jahr dem Heilig-Geist-Spital Nürnberg übertragen.

 

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Michelbach (Obermichelbach) im Urbar des Burggraftums Nürnberg im Jahre 1370. Rothenberg erscheint erstmals etwas später und zwar im Bergschen Reichslehenbuch im Jahre 1396.

 

Und im Jahre 1399 finden wir dann auch Untermichelbach als „Nydernmychelbach" in einer Urkunde über Reichnisse des Jobst Tetzel und des Hans Tetzel aus Nürnberg.

 

Ein schweres Schicksal ereilte Obermichelbach und Rothenberg im Dreißigjährigen Krieg. Zunächst spürte man hier in der Umgebung nicht viel vom Krieg, bis 1632 Feldherr Wallenstein im Raum Zirndorf ein riesiges Lager errichten ließ und der schwedische König Gustav Adolf in der Schlacht an der Alten Veste versuchte, dieses Lager zu erstürmen.

 

Die Folgen für die Bevölkerung waren schrecklich. Sowohl Rothenberg wurde 1634 niedergebrannt, als auch Obermichelbach, in dem mit der Kirche und dem Pfarrhaus der ganze Ort bis auf zwei Häuser ein Opfer der Flammen wurde. Nach dieser Katastrophe wurden die Orte neu aufgebaut, so auch unsere Kirche, die dann 1660 ihre Weihe zur Kirche "Zum Heiligen Geist" erfuhr.

 

Nach dem Krieg veränderte sich auch die Bevölkerungsstruktur in unserer Gemeinde, da Menschen hinzukamen, die oft aus Glaubensgründen ihre Heimat in Österreich oder der Oberpfalz verlassen mussten.

 

Auch die Berufsangaben der registrierten Familienväter zeigen dies, darunter findet man um das Jahr 1700 vor allem Taglöhner, Bauern, Wirte und Gotteshauspfleger, Schneider, Weber, Köbler, Hirten und Schmiede aber auch Schulmeister und Beständer (Pächter).

 

Die politischen Veränderungen im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert gingen auch an unserer Heimat nicht spurlos vorüber. So wurden die beiden Fürstentümer Ansbach und Bayreuth 1792 für kurze 14 Jahre dem Königreich Preußen zugeordnet. Allerdings führte der Siegeszug Napoleons dazu, dass 1806 das Kurfürstentum Bayern zum Königreich erhoben wurde und im gleichen Jahr Preußen das Fürstentum Ansbach an Bayern abtrat.

 

Die Reichsstadt Nürnberg wurde auch 1806 bayerisch, 1810 folgte das Fürstentum Bayreuth. Die Schaffung des Königreiches Bayern zog eine umfangreiche Neugliederung des Staatsgebietes nach sich wie auch eine umfassende Verwaltungsreform, in deren Zug aus den Orten Obermichelbach, Untermichelbach und Rothenberg im Jahre 1808 eine politische Gemeinde wurde.

 

Im Jahre 1840 wurde das Schulhaus, dessen Lage in Urkunden so beschrieben wird „Das Tor in den Kirchhof, über welches das damalige Schulhaus erbauet ist“, nach vielen Klagen über seinen Zustand neu erbaut.

 

Die Einwohnerzahl in diesem Jahr betrug in der Gemeinde 417 Einwohner. Diese Zahl blieb in den nächsten Jahren relativ konstant:

 

1840: 417 Einwohner

1855: 371 Einwohner

1875: 402 Einwohner

1890: 402 Einwohner

1900: 408 Einwohner

 

Natürlich gab es auch in früheren Zeiten schon ein reges Vereinsleben: 

Im Jahre 1878 wurde die Freiwillige Feuerwehr Obermichelbach gegründet und

als zweiter Verein 1896 der Verein „Einigkeit“, dessen Zweck es war, „die Gemütlichkeit unter den Mitgliedern in jeder Weise zu fördern“. Leider bestand er nur bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges 1939.

Der Obst- und Gartenbauverein wurde 1902 gegründet und

in Rothenberg wurde das Vereinsleben 1911 durch den „Radfahrer Verein Edelweiß“ bereichert, der anfangs aus 19 Mitgliedern bestand und die „Hebung und Förderung des Radfahrens und gesellige Unterhaltung“ als Zweck hatte.

Zu dieser Zeit hatte Obermichelbach schon eine öffentliche Telefonstelle, die 1909 installiert und von Bäckermeister Andreas Wirth betrieben wurde, der ab 1910 „für seine Mühewaltung“ ein jährliches Entgeld von 20 Mark erhielt. Um die Kaufkraft zu verdeutlichen sei gesagt, dass der Bierpreis 1912 für einen Liter 24 Pfennige betrug.

 

Nach dem ersten Weltkrieg trat 1919 das Bayerische Selbstverwaltungsgesetz in Kraft und schaffte moderne demokratische Lösungen für die Gemeindeverwaltung.

So wählte auch Obermichelbach 1919 seinen ersten Gemeinderat, der damals 10 Mitglieder umfasste.

1926 betrug nach Beschluss des Gemeinderats der tägliche Arbeitslohn für gemeindliche Arbeitsleistungen:

Großknecht und Arbeiter über 16 Jahren 2,00 Mark

Kleinknecht und Arbeiter unter 16 Jahren 1,50 Mark

Großmagd über 16 Jahren 1,50 Mark

Kleinmagd unter 16 Jahren 1,20 Mark

 

Natürlich ging der zweite Weltkrieg nicht spurlos an der Gemeinde vorüber. Politisch bedeutete die „Gleichschaltung“ das Ende der demokratisch organisierten Selbstverwaltung. Aber auch das öffentliche und gesellschaftliche Leben war beeinflusst. So wurden als „Luftschutz auf dem Lande“ 1938 die ersten Löschwasserbehälter und –weiher angelegt.

 

Der Kriegsausbruch 1939 brachte eine Lähmung in allen Bereichen mit sich. So gibt es zwischen August 1939 und Dezember 1940 keine Niederschrift im Protokollbuch des Gemeinderates. Der Absturz eines kanadischen Bombers am Waldrand westlich von Obermichelbach 1942 war ein erstes Anzeichen der Ausdehnung des Luftkrieges. Das schlimmste Ereignis war aber wohl der amerikanische Luftangriff auf Ober- und Untermichelbach im August 1943, bei dem viele Wohnhäuser und Scheunen vernichtet wurden.

In den ersten Nachkriegsjahren bestimmte noch die amerikanische Besatzungsmacht das Leben in Ober-, Untermichelbach und Rothenberg.

 

Der erste Gemeinderat wurde 1946 gewählt und 1948 wurde Hans Tauber 1. Bürgermeister und wurde in diesem Amt für unglaubliche 42 Jahre bestätigt und erst 1990 von Hans Lämmermann abgelöst.

Zwischen den Jahren 1955 und 1967 wurde vor allem die Verbesserung der allgemeinen Verhältnisse in den Ortsteilen vorangetrieben durch die Schaffung einer Kanalisation, Kläranlagen, Straßenbau und Flurbereiningung.

Außerdem hielt die Motorisierung und Technisierung besonders in der Landwirtschaft Einzug. Der Mähdrescher feierte seinen Siegeszug und die letzten Pferdegespanne verschwanden 1966 aus dem Landschaftsbild.

 

Auch die Vereine erlebten eine Wiederbelebung. So feierte die Freiwillige Feuerwehr ihr 75-jähriges Bestehen mit einem großen Fest, aus dem 1934 aufgelösten Radfahrer-Verein „Edelweiß“ entstand der „Stammtisch feuchtes Eck“ und der Obst- und Gartenbauverein baute 1957 ein Mosthaus und führte 1967 den noch immer bestehenden Blumenschmuck-Wettbewerb ein.

Neben den gemeinnützigen und geselligen Vereinen bildeten sich in den 70er Jahren auch politische Gliederungen. Als erstes wurde der CSUOrtsverband Obermichelbach gegründet.

Der mittlerweile größte Verein gründete sich tatsächlich erst 1977, der SC Obermichelbach, der im Gründungsjahr 78 Mitglieder zählte.

Zahlreiche Bebauungspläne und die Ausweisung von Bauland sorgte in den 70er Jahren für eine große Veränderung der Gemeindestruktur und Einwohnerzahl, die von 546 Einwohnern 1971 auf 1554 Einwohner 1980 anstieg.

1973 kam das Gewerbegebiet Untermichelbach zur Ausführung, was zu weiteren Veränderungen in der Gemeindestruktur führte, da vorher nur wenige Handwerksbetriebe bestanden.

Im Zuge der Feierlichkeiten zum 100jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr wurde 1979 die Einweihung des Mehrzweckgebäudes mit Feuerwehrhaus in der Vacher Straße gefeiert.

Im Jahre 1990 zählte die Gemeinde erstmals 2.000 Einwohner und die Zahl sollte noch ansteigen, da 1992 die Baugebiete Pfefferloh I und Pfefferloh II ausgewiesen wurden.

Im selben Jahr beschloss man die Partnerschaft mit der Gemeinde Hormersdorf, nachdem direkt nach dem Ende der Teilung Deutschlands Bürgermeister Lämmermann die ersten Kontakte geknüpft hatte.

Das Anwachsen der Gemeinde ließ den Ruf nach einer eigenen Versammlungs- und Begegnungsstätte laut werden, für deren Errichtung 1988 der „Förderverein Bürgerhalle Obermichelbach“ gegründet wurde.

Die Planung, Finanzierung und der Bau nahmen dann doch einige Jahre in Anspruch, so dass im November 1997 die Einweihung stattfand.

 

Hier endet erst einmal unser kleiner Exkurs in die Geschichte Obermichelbachs. An der Chronik der jüngeren Entwicklung mit der Erschließung der Baugebiete Pfefferloh 3 und Lindenweg, dem Gewerbegebiet Süd, der Kirchensanierung, der Dorfkern-Neugestaltung und vielem mehr wird momentan gearbeitet und wird hoffentlich bald an dieser Stelle erscheinen.

 

Ausdrücklich möchten wir uns nochmals bei den Verfassern der beiden Bücher über Obermichelbach, Herrn Roland Kühn und Herrn Helmut Mahr bedanken, deren Werke wir als Quelle verwendet haben. Beide Bücher „Obermichelbach“ und „Obermichelbach – eine Gemeinde wächst in das 21. Jahrhundert“ sind in der Gemeindeverwaltung erhältlich und sind äußerst lesenswert, geben Sie uns doch interessante Informationen über unsere Heimat, über die wir vielleicht manchmal staunen und zeigen viele interessante Dokumente und Bilder, über die wir vielleicht manchmal schmunzeln.