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CSU Gemeinderatsfraktion Waldbüttelbrunn

Bericht aus der Gemeinderatssitzung vom 20.Juni 2016

Herr Bürgermeister Schmidt hatte zur öffentlichen Sondersitzung geladen, um den Gemeinderat über Probleme beim Umbau der Ballsporthalle zu unterrichten. Die Sitzung diente zur Information. Eine Beschlussfassung erfolgte noch nicht, da hierfür noch konkretere Planungen erforderlich sind.

Zur Vorgeschichte

Die Ballsporthalle wurde Anfang der 1990’er Jahre erbaut. Beim Bau wurden damals wesentliche Auflagen aus der Baugenehmigung nicht ausgeführt, was jedoch selbst bei der Bauabnahme durch das Landratsamt nicht bemerkt wurde. Die Ballsporthalle ging deshalb trotz Mängel in Bezug auf die Brandschutzbestimmungen in Betrieb und wurde (ohne Wissen von den Mängeln) seit 1996 intensiv genutzt. Inwieweit damals Architekt, die ausführenden Firmen oder andere Personen vorsätzlich oder fahrlässig von den Brandschutzanforderungen abwichen, kann zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr beurteilt werden.

Im Hinblick auf hohe Besucherzahlen bei vielen Veranstaltungen, sei es der Neujahrsempfang, die Kinderkleidermärkte, Ligabetrieb und Turniere verschiedener Sportvereine, entschied sich der Gemeinderat, die Sporthalle so aufzurüsten, dass sie auch größeren Menschenansammlungen gewachsen ist. Zuvor hätten sich rechtmäßig nur maximal 200 Menschen gleichzeitig in der Halle aufhalten dürfen. Alle Veranstaltungen, bei der inklusive der teilnehmenden Sportler mehr als 200 Menschen erwartet wurden, mussten zuvor beim Landratsamt angezeigt und vom Landratsamt genehmigt werden. Deshalb sollte die Ballsporthalle im Sinne der Versammlungsstättenverordnung so ertüchtigt werden, dass sie künftig regelmäßig bis zu 700 Personen aufnehmen kann.

Im Rahmen der Planungen kam es zu mehreren Ortsterminen zwischen dem Landratsamt, den Architekten und der Bauverwaltung der Gemeinde Waldbüttelbrunn. Dabei wurden schließlich die gravierenden Mängel im Brandschutz entdeckt. Die Umbauplanung wurde deshalb um einige Maßnahmen erweitert, die zukünftig den Brandschutz gewährleisten sollten. Die Umbaukosten wurden zu diesem Zeitpunkt auf 1,8 Millionen Euro geschätzt.

Mit den Umbaumaßnahmen wurde im Mai 2016 begonnen mit dem Ziel, die Ballsporthalle zu Beginn des neuen Schuljahres und dem Beginn der neuen Handballrunde wieder nutzen zu können. Der Baufortschritt beinahe aller Gewerke liegt im Zeitplan. Die Rohbauarbeiten für den erweiterten Toilettentrakt sind nahezu abgeschlossen. Besuchen Sie ebenfalls unsere Homepage

Zum aktuellen Anlass

Nach wie vor stellen die zu erfüllenden Anforderungen an den Brandschutz ein Problem dar. Die Gewährleistung des Brandschutzes erfolgt dergestalt, dass zunächst ein Ingenieurbüro einen Brandschutznachweis für das Gebäude erstellt (=Brandschutznachweisersteller). Dieser Brandschutznachweis wird dann vom Brandschutznachweisprüfer geprüft. Nur bei dessen Zustimmung gelten die Brandschutzanforderungen als erfüllt.

Da der Brandschutz für die Sporthalle wegen der Mängel beim Bau der Halle problematisch war, erfolgte bereits frühzeitig eine enge Abstimmung zwischen Architekt, Brandschutznachweisersteller und Brandschutznachweisprüfer. Man kann sich das so vorstellen, dass manche Mängel durch andere Brandschutzmaßnahmen kompensiert werden können. Die Absprachen hierzu, welche Maßnahmen zu erbringen sind (z.B. Einbau einer Brandmeldeanlage) und welche Mängel evtl. im Gegenzug toleriert werden können, waren bei Baubeginn bereits recht weit gediehen und in den Planungen berücksichtigt.

Ein ganz entscheidender Punkt in Sachen Brandschutz waren die Prallwände. Wände müssen laut der Versammlungsstättenverordnung aus einer mindestens schwer entflammbaren Bekleidung bestehen. Der für die Prallwände verwendete Filz entsprach dieser Anforderung nicht. Auch die Unterkonstruktion war teilweise aus Holz gefertigt, so dass auch hier von einer brennbaren Ausführung ausgegangen werden musste. Letztendlich hatte jedoch die Brandschutzprüferin zunächst in Aussicht gestellt, dass die Prallwände belassen werden können. Allerdings stellte sich dann heraus, dass in den Prallwänden regelrechte Kabelbündel verlegt worden waren. Da dies so wohl auch zum Zeitpunkt der Erbauung nicht Stand der Technik war, war dies nicht vorherzusehen. Die Stromkabel stellen ein zusätzliches Brandrisiko dar, so dass die Kombination aus den Kabeln und der brennbaren Prallwand nicht mehr vertretbar war.

Deshalb wurden verschiedene Maßnahmen geprüft, z.B. die Verlegung der Kabel in nichtbrennbare Kabelschächte. Laut dem ausführenden Ingenieurbüro ist dies nicht durchführbar. Ebenso scheiterte eine Überwachung der Hohlräume durch Brandmelder und ein Ausdämmen des Hohlraumes mit nichtbrennbarem Dämmstoff an verschiedenen Problemen.

Letztendlich führte dies dazu, dass die Prallwände komplett ausgetauscht werden müssen. Dabei werden die Kabelstränge „eingehaust“. Da nun eine komplett neue Prallwand eingebaut werden muss, müssen hierfür nun auch die aktuell geltenden Vorschriften beachtet werden. Gerade für den Schulsport gelten hier strenge Normen. Sportgeräte wie z.B. die Sprossenwände müssen ebenfalls mit einer Prallwand abgedeckt werden. Die Tribüne muss für den Sportunterricht so eingefahren werden, dass sie im eingefahrenen Zustand ebenfalls eine Prallwand darstellt.

Ein weiteres Problem bilden die Fluchttüren. Bisher wurde angenommen, dass Fluchttüren mit einer Breite von 1,20 Metern, wie sie die Versammlungsstättenverordnung fordert, ausreichend seien. Diese wurden bereits bei der bisherigen Planung berücksichtigt. Um allerdings andere Mängel zu kompensieren, sollen die Fluchttüren nun eine Breite von 1,80 Metern bekommen. Diese Breite ist aufgrund der Bauart der Sporthalle (Aussteifungskreuze für die Tragkonstruktion) nicht an den bisher geplanten Stellen zu verwirklichen. Die Fluchttüren müssen nun an anderen Stellen eingebaut werden.

Die veränderte Lage der Fluchttüren hat aber auch Auswirkungen auf die Tribünen. Anstelle der bisherigen Fluchttür zwischen den beiden Tribünen sollen auf dieser Gebäudeseite zwei Fluchttüren mit 1,80 Meter Breite eingebaut werden. Die neue Tribüne kommt dann zwischen die beiden Fluchttüren, die sich jeweils am Anfang und Ende der Seitenwand befinden werden. Nach bisheriger Planung sollte gegenüber der bestehenden Tribüne eine weitere Tribüne eingebaut werden, um mehr Sitzplätze zu erhalten. Da nun die bestehende Tribüne wegen der Prallwandproblematik und der Fluchttüren nicht bestehen bleiben kann, wird auf dieser Seite eine neue und größere ausfahrbare Tribüne geplant, die (alte)Tribüne entfällt. Außerdem müssen noch die Türen zum Umkleide- und Aufenthaltsbereich ausgetauscht werden. Diese haben leider keine Typenkennzeichnung, die auf eine bestimmte Feuerwiderstandsdauer schließen lassen.

Die zusätzlichen Maßnahmen werden die Kosten der Baumaßnahme erhöhen. Eine exakte Zahl wurde hierzu noch nicht genannt.

Außerdem wird der Bauzeitenplan nicht einzuhalten sein, da die Planung, Ausschreibung und Fertigung von Prallwand und Tribüne entsprechend Zeit in Anspruch nimmt. Mit dem Landratsamt wurde deshalb über eine Unterbrechung der Baumaßnahme verhandelt. Das hieße, dass die Sporthalle im September zunächst im alten Bestand mit einer Ausnahmegenehmigung für jedes dort stattfindende Ereignis genutzt werden könnte und eine weitere Bauphase von ca. vier Wochen folgen würde, sobald Prallwand und Tribüne eingebaut werden können.

Zwar sind sowohl der finanzielle Mehraufwand für die Gemeinde als auch die zeitliche Verzöge- rung, die die Sportvereine wegen der anstehenden Saison schwer belasten werden, mehr als ärgerlich. Allerdings wird nun kein Weg daran vorbeiführen, die bereits begonnene Umbaumaßnahme auch erfolgreich zu beenden – ganz besonders zur Sicherheit aller Nutzer.

Eine etwas zügigere Herangehensweise des Brandschutznachweiserstellers sowie frühzeitigere Warnungen des Brandschutzprüfers wären wünschenswert gewesen, um zumindest die zeitlichen Verzögerungen zu vermeiden. Dies kann eine Lehre für zukünftige Baumaßnahmen sein, darauf ein besonderes Augenmerk zu richten.