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Kostenexplosion bei Mehrzweckhalle

Mehrzweckhalle soll jetzt schon 25 % teurer werden !

 
Stadtverbandsvorsitzender Klaus Drotziger berichtet über die Kostenexplosion der Mehrzweckhalle.

Weißenburger CSU ärgert sich über Kosten

 

Die Kostensteigerung für die Vierfachturnhalle um 25 Prozent verärgert die CSU massiv. Die Christsozialen wehren sich gegen den Vorwurf, das Projekt ausgebremst zu haben. Die Mehrkosten gegenüber einer Standard-Vierfachturnhalle würden besser in Projekte wie die Westtangente fließen. „Das ist Luxus“, stellte Bernhard Amend mit Blick auf die Mehrzweckhalle fest.

2,5 Millionen Euro Mehrkosten: Angesichts der Kostensteigerung für die geplante Vierfachturnhalle in Weißenburg ärgert sich Bernhard Amend über den OB und seine Bauverwaltung, und Klaus Drotziger kann nur noch die Stirn runzeln. Bei der Mitgliederversammlung im „Brandenburger Hof“ betonte Stadtverbands- und Fraktionsvorsitzender Klaus Drotziger mehrfach, die CSU sei nie gegen den Bau der Vierfachturnhalle gewesen – nur die Mehrzweck­nutzung mache aus ihrer Sicht keinen Sinn. Die Mehrkosten von knapp 4,5 Millionen Euro rechnete Drotziger um. Mehr als zehn solcher Großveranstaltungen im Jahr seien kaum denkbar, ohne den Sportbetrieb erheblich einzuschränken. Bei 30 Jahren Nutzungsdauer (dann wäre wohl mindestens eine Sanierung fällig) sind das 300 Veranstaltungen. Somit bezuschusse die Stadt jede davon mit fast 15000 Euro.

Die Christsozialen sähen dieses Geld lieber in andere Maßnahmen investiert. Der frühere Fraktionsvorsitzende Rüdiger Schork nannte beispielhaft den zweiten Bauabschnitt der Westtangente, der dringend erforderlich sei und der erst die gewünschte Verkehrsentlastung brächte.

Die CSU (mit Ausnahme von Anita Dollinger) hatte am Donnerstag im Stadtrat erneut gegen das Projekt gestimmt – wie schon in der Vergangenheit. „Mir waren die zehn Millionen Euro zu teuer, da können mir 12,5 Millionen nicht billig sein“, bekräftigte Amend seinen Standpunkt. Er hatte eigens die alten Beschlüsse herausgekramt, um die Entwicklung nachzuzeichnen. Beim Grundsatzbeschluss 2009 habe die Bauverwaltung 5,8 Millionen Euro an Kosten angesetzt – die Nutzung für andere Veranstaltungen als Schul- und Vereinssport war mit 600000 Euro eingepreist.

Bis die Verwaltung dann das Eichstätter Architekturbüro Diezinger als Planer präsentierte, vergingen ziemlich genau zwei Jahre. Bis deren Entwürfe schließlich im Bauausschuss landeten weitere mehr als zwei Jahre. Inzwischen war man Ende 2013 angekommen und der Kommunalwahlkampf nahte. Der alte Stadtrat beschloss eine Auszeit, weil das Vorhaben zu weitreichende Folgen hat. Somit folgte die Entscheidung für die Mehrzweckhalle erst im Juli 2014 durch den neuen Stadtrat, schilderte Amend.

„Das Ganze hat bis heute sechs Jahre und vier Monate gedauert – davon war der Stadtrat aber nur für die acht Monate Auszeit verantwortlich“, stellte der CSU-Stadtrat fest und schoss damit gegen SPD-Fraktionschef Andre Bengel. “ Der hatte bei der SPD-Mitgliederversammlung moniert, die enorme Kostensteigerung sei zumindest zum Teil durch ein Verzögern im Stadtrat verursacht worden. Er nannte die CSU zwar nicht explizit, doch war mehr als klar, dass er sie meinte. Schließlich haben die Konservativen stets am vehementesten Kritik an dem Projekt geübt.

Dabei habe die CSU im Stadt­rat seit 2008 gar keine Mehrheit mehr und hätte somit gar nichts verzögern können, erinnerte Drotziger. Amend nannte es deshalb „ausgesprochen schofel und unlauter, Stadtratskollegen so an den Pranger zu stellen“. Amend und Drotziger sagten, die CSU sei nie gegen die Vierfachturnhalle gewesen. Einzig die Mehrfachnutzung und vor allem die Mehrkosten hierfür stoßen den Christsozialen sauer auf. Was Amend und Drotziger nicht sagten: Mehrfach gab es in den vergangenen Jahren öffentliche Äußerungen, den Hallenneubau zu verschieben, weil sich die Stadt zu überheben droht. Das waren aber nicht nur Vorstöße der CSU, auch Oberbürgermeister Jürgen Schröppel hat das Vorhaben in seiner persönlichen Prioritätenliste schon nach unten gesetzt – einmal wegen des Technologie- und Studienzentrums, einmal wegen des Römermuseums. Aber: „Es gab keine Beschlusslage, die zu Verzögerungen geführt hat“, betonte Amend.

Zuletzt waren es offenbar Planer und Verwaltung, die es zu verantworten haben, dass die Bagger noch nicht angerückt sind. Denn im vergangenen Jahr war noch die Rede von einem Baubeginn im Jahr 2015. Inzwischen sind wir bei Anfang 2017. Die Sorge von Drotziger und Amend geht nun dahin, dass es mit den 12,5 Millionen Euro nicht getan sein könnte. Sie verweisen auf die Mittelschule, wo auch häppchenweise die Kosten nach oben korrigiert wurden. „Ich dachte, das sei nicht mehr zu toppen“, empörte sich Bernhard Amend. Mittelschule und Vierfachturnhalle machen nach Überzeugung des CSU-Stadtrates eines deutlich: „Kosten einzuhalten ist nicht die Stärke unseres Oberbürgermeisters und seiner Bauverwaltung.“ Er ärgerte sich, weil die Stadtratskollegen nicht bereit waren, wenigstens die Kosten zu deckeln. „Man kann auch eine Mehrzweckhalle für deutlich weniger Geld bekommen, aber konsequent muss man halt sein.“ Unter OB Reinhard Schwirzer seien solche Kostenexplosionen nicht passiert, pflichtete Rüdiger Schork bei.

Klaus Drotziger kritisierte auch die optimistische Einstellung seines SPD-Gegenübers Andre Bengel, was die künftige Einnahmesituation angehe. Man müsse sich nur VW ansehen und bedenken, wie sehr die Kunststoff­unternehmen Weißenburgs von der Automobilbranche abhängen. Das Komische dabei sei: „Man muss der SPD ständig die Daumen drücken, dass alles gut geht. Denn die Alternative wäre keine, die wir uns für Weißenburg wünschen können.“ Es sei ein bisschen wie mit Kindern, die trotz Ermahnung der Eltern ohne Helm mit dem Motorrad fahren. Drotziger: „Man kann nur hoffen, dass alles gut geht.“

© Maurer