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Kreisverband Ingolstadt

Rede

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16.01.2012

Rede zum Neujahrsempfang 2012 der Stadt Ingolstadt

Es gilt das gesprochene Wort!

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Gäste,
ich freue mich, dass Sie meiner Einladung zum heutigen Neujahrsempfang gefolgt sind und darf Sie im Namen der Stadt Ingolstadt, des Stadtrats und aber auch persönlich ganz herzlich begrüßen!
Das jährliche Treffen der Vertreter von Wirtschaft, Behörden, Verbänden und Politik hat sich über Jahre hinweg zu einem stadtgesellschaftlichen Ereignis entwickelt und markiert nach den Feiertagen und der Winterpause sozusagen den Arbeitsauftakt in ein neues und für uns alle hoffentlich wieder erfolgreiches Jahr.
Gestatten Sie mir, dass ich - stellvertretend für Sie alle - einige Persönlichkeiten namentlich begrüße. Und, soweit Sie bereits bei früheren Neujahrsempfängen dabei waren, wissen Sie, dass ich das traditionell mit der Bitte verknüpfe, aus Zeitgründen erst am Ende der Begrüßung, dafür aber umso herzhafter zu applaudieren.
Begrüßungsliste

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
in manchen Zeitungsberichten der vergangenen Wochen waren auf Grund der Steuermehreinnahmen Überschriften zu lesen wie: "Die Stadt hat genug Geld".
Auf der anderen Seite kann man - wenn auch seltener - lesen, dass die ersten Städte in Deutschland von bestimmten Banken keine Kredite mehr erhalten, weil sie überschuldet sind und als nicht mehr kreditwürdig eingestuft werden.
Wie sieht es nun aus mit der Wirtschaft und den Finanzen? Von wissenschaftlicher Seite geht man für das Jahr 2012 von einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent aus.
Das ist nicht viel. Was aber viele, gerade ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger viel mehr bedrückt, ist die Euro-Finanz-Krise und die Frage: Ist unser Geld sicher?
Nun ist diese Krise primär Ausfluss einer Haltung, mehr Geld auszugeben als man einnimmt. Konsum auf Pump! So etwas kann nicht lange gut gehen. Und Griechenland ist für dieses verantwortungslose Verhalten, das auch an vielen anderen Orten zu finden ist, ein eindrucksvolles Beispiel. Auch wenn es für die Bevölkerung in Griechenland und anderswo schmerzhaft ist, hier muss die Politik eine andere Richtung einschlagen.
In Deutschland ist man mit der sogenannten Schuldenbremse und den Konsolidierungsgesetzen wie auch in vielen anderen Ländern, auf dem richtigen Weg. Und deshalb bin ich optimistisch, dass es gelingt, die Schuldenproblematik in den Griff zu bekommen.
Was aber den Beobachter wundert, ist das stetige Verschlimmern der Euro-Finanz-Krise durch das kontinuierliche Herunter-Raten von Staaten, Banken und Unternehmen. Dabei werden die Länder und Banken gerade von jenen Organisationen beurteilt - Rating-Agenturen genannt - die selbst vor drei Jahren weitgehend wertlose amerikanische Wertpapiere mit der besten Rating-Note AAA versehen und damit Investoren in der ganzen Welt zu Käufen dieser amerikanischen Wertpapiere animiert haben.
Diese Investoren haben dann ihr gutes Geld und ihr Vertrauen in das Finanzsystem verloren. Dadurch wurde die weltweite Finanzkrise ausgelöst.
Genau dieselben amerikanischen Rating-Agenturen finden nun immer neue Argumente und immer neue Ansätze, um Länder oder Banken herunter zu stufen. Und ich kann mich des Eindrucks nicht verwehren, dass damit vor allen Dingen von den gewaltigen amerikanischen Problemen abgelenkt werden soll. Deshalb wird der Focus auf europäische Länder und Banken gelegt. Immer neue wirtschaftliche und politische Prognosen dienen als Basis für das Rating.
Und mit dem dann schlechteren Ranking verschlimmert sich die Position der Länder und Banken im Markt weiter. Und die Abwärtsspirale dreht sich weiter und weiter.
Doch trotz aller Schwierigkeiten bin ich überzeugt, dass wir die Probleme in Europa meistern werden. Gerade Deutschland leistet hier sehr entscheidende positive Beiträge.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
auch wir in Ingolstadt müssen die internationalen Entwicklungen im Auge behalten. Wir können aber nur die lokalen und regionalen Rahmenbedingungen beeinflussen, die Grundlage für unsere lokale Wirtschaft sind.
Wir hier können gemeinsam als Vertreter der Politik, der Wirtschaft, der Gewerkschaften und der Sozialverbände weiterhin zusammen stehen, um den seit Jahren bei uns festgestellten Erfolg zu sichern.
Und wir können gemeinsam vieles tun, um den Wohlstand für alle, die Lebensqualität und die Zukunftschancen unserer Region weiter voran zu bringen. Das haben wir in der Vergangenheit gemeinsam mit Erfolg getan, meine Damen und Herren. Ingolstadt ist auf Erfolgskurs und Ingolstadt wird auf Erfolgskurs bleiben!
Wir erwarten auch im neuen Jahr in Ingolstadt eine sehr viel höhere Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts als im Bundesdurchschnitt - so, wie in den vergangenen Jahren. Deshalb rechnen wir auch mit außergewöhnlich guten Gewerbesteuereinnahmen. Dennoch bleiben Haushaltsdisziplin und eine Politik der Schuldenreduzierung erstes Gebot einer seriösen Finanzpolitik unserer Stadt.
Unser Finanzbürgermeister Albert Wittmann kann zu Recht mit Stolz feststellen, dass wir unter den bayerischen Großstädten die geringste Pro-Kopf-Verschuldung haben. Hatten wir 2006 noch eine städtische Verschuldung von 116 Millionen Euro, so haben wir jetzt noch 83 Millionen Euro. Wenn wir unsere mittelfristige Finanzplanung realisieren, werden es 2015 nur noch 62 Millionen Euro sein. Und wenn Sie die Rücklagen der Stadt und das Nettovermögen unserer Tochtergesellschaften gegen rechnen, dann sind wir jetzt schon schuldenfrei. Das nenne ich eine zukunftsorientierte, nachhaltige Politik!
Und genauso stolz dürfen wir festhalten, dass Ingolstadt - und zwar bundesweit - unter allen Großstädten die Stadt mit der geringsten Arbeitslosigkeit ist.
Als ich vor mehr als 15 Jahren als Referent für Wirtschaft und Arbeit meine Tätigkeit bei der Stadt Ingolstadt begann, hätte ich ein solches Ergebnis nicht einmal zu träumen gewagt.
Neben dem Erfolg unserer großen und mittelständischen Unternehmen, die die Arbeitsplätze bereit stellen, ist dies auch ein Erfolg der kommunalen Wirtschaftsförderungspolitik. Es ist eine Politik - und das wird ja auch kritisiert, aber ich stehe dazu - die sehr investorenfreundlich ist, weil die Investitionen die Grundlage unseres Wohlstands sind. Die niedrige Arbeitslosenquote ist darüber hinaus aber auch ein Erfolg der kommunalen Beschäftigungspolitik. Pro Beschäftigung, in-arbeit und seit 1. Januar das Jobcenter in städtischer Trägerschaft zeigen, wie ernst wir es in der Stadtverwaltung mit der Beschäftigungspolitik meinen.
Es gibt ein paar essenzielle Dinge neben sehr vielen "nice to have", wie es in Neudeutsch heißt, die in einer Stadt gelöst werden müssen:
1.    Arbeit, die den Bürgerinnen und Bürgern Auskommen und Lebensstandard garantiert. Und darüber hinaus auch Lebenssinn stiftet und Teilnahme am sozialen Leben eröffnet.
2.    Wohnen zu bezahlbaren Preisen in guter Qualität. Deshalb bauen wir mit unserer Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft weiterhin Sozialwohnungen und stellen für Bauträger und Private mehr Bauland als in der Vergangenheit zur Verfügung, um das Angebot zu erhöhen.
3.    beste medizinische Versorgung - Unser viel gescholtenes Gesundheitssystem mit freiberuflichen Ärzten und Therapeuten und der klinischen Versorgung klappt nach meiner Überzeugung bei uns in Deutschland besser als überall auf der Welt. Deshalb ist es mir auch wichtig festzustellen, dass in Ingolstadt die Weichen für die permanente Modernisierung und die Generalsanierung unseres Klinikums gestellt sind. Das ist eine - auch finanziell - gewaltige Aufgabe - wir rechnen mit weit über 250 Millionen Euro Gesamtinvestitionen. Unser Ziel ist es: modernste Medizin vor Ort bereit zu stellen. Und das rechtfertigt diese hohen Investitionen.
Arbeit - Wohnen - medizinische Versorgung: es sieht gut aus in Ingolstadt!
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
Ingolstadt ist in den vergangenen Jahrzehnten rasant gewachsen. Und das Bevölkerungswachstum wird weiter gehen. In den zurückliegenden Jahren haben wir deshalb erhebliche Anstrengungen unternommen, um die nötige Infrastruktur zu schaffen, die eine kleine Großstadt benötigt. Wir hatten hier Nachholbedarf.
Aber wir haben dazu gewonnen mit dem Freizeitbad Wonnemar, mit dem AUDI-Sportpark, der Saturn-Arena und der zweiten Eislaufhalle, mit dem neuen, gemeinsam mit dem Landkreis Eichstätt errichteten Gymnasium in Gaimersheim, mit den zahlreichen Schulbaumaßnahmen und dem Bau von Kindertagesstätten. Es soll nun auch ein Hotel- und Kongresszentrum dazu kommen, das es uns ermöglichen wird, im Bereich des Tourismus neue Akzente zu setzen.
Und wir werden noch dieses Jahr mit dem Bau eines Sportbades mit 50 m-Becken beginnen.
Und ich frage Sie: Welche andere Stadt in Deutschland ist im Augenblick mit solchen Projekten unterwegs? Wir bauen für über 60 Millionen Euro das Schulzentrum Südwest neu, wir planen ein neues Museum für Kunst und Design und ein Internationales Donau-Museum und erweitern das Deutsche Medizinhistorische Museum. Wir haben uns finanziell auch am Ausbau der Hochschule für angewandte Wissenschaften beteiligt. Und wir haben in einem Kraftakt für weit über 100 Millionen Euro zur Stärkung unseres Wirtschaftsstandorts das Güterverkehrszentrum II realisiert.
Größere Verkehrsmaßnahmen, wie der sogenannte "Schneller Weg" oder die Investitionen am Nordbahnhof, der fertig gestellt ist, oder am Hauptbahnhof mit Parkhäusern und Tunnel bis nach Ringsee sind zu erwähnen und vieles andere mehr.
Wir stecken also mitten in einer überaus dynamischen Entwicklung.
Neben den städtischen Investitionen ist es auch wichtig darauf hinzuweisen, welche Investitionen im Jahr 2012 die Unternehmen des Bürgerkonzerns der Stadt Ingolstadt tätigen. Dazu gehören die Stadtwerke, die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft, das Klinikum, die IFG oder unsere Verkehrsbetriebe INVG und KVB, um nur einige zu nennen.
Die Gesamtinvestitionen der Stadt und ihrer Tochtergesellschaften belaufen sich auf weit über 200 Millionen Euro, die allein in diesem Jahr in der Region investiert werden.
Nun wird von verschiedenen Seiten die Frage gestellt: ist das Tempo der Entwicklung in unserer Stadt nicht zu hoch?
Wir haben gemeinsam mit der Initiative für Regionalmanagement das sehr ehrgeizige Ziel ausgegeben, die attraktivste Region im Bundesgebiet zu werden.
Ich weiß, dass das sehr ambitioniert klingt, aber, meine Damen und Herren, wir sind auf einem sehr guten Weg. Und nur wer sich ehrgeizige Ziele setzt, wird letztlich über die Durchschnittlichkeit hinaus kommen!
Es wird auch immer gefragt: wo sind denn eigentlich eure Visionen?
Der Verband der Bayerischen Wirtschaft hat im Dezember 2011 seinen Chancenindex für die Landkreise und Großstädte veröffentlicht. Und Ingolstadt steht von allen deutschen Großstädten bei den Zukunftschancen auf Platz 1.
Unsere Stadt, wir alle zusammen haben eine sehr solide Ausgangsbasis erarbeitet und exzellente Zukunftsperspektiven. Ja welche Stadt kann denn das von sich behaupten? Bei aller Bescheidenheit: Seien wir doch auch ein bisschen stolz darauf.
Es ist richtig, wir haben ein sehr hohes Tempo. Und ich kann Ihnen versichern: manchmal wäre es auch mir lieber, es ginge ein wenig langsamer und beschaulicher.
Und ich beneide manchen Kollegen, der weniger Diskussionen und Widerstände gegen Veränderungen aushalten muss als ich. Ich glaube aber auch, dass wir, wenn wir die nötigen infrastrukturellen Anpassungen geschafft haben, auch wieder in Richtung einer entschleunigten aber dennoch qualitätsvollen Entwicklung denken können.
Natürlich müssen wir auch über die Qualität und das Design der Mülleimer in der Fußgängerzone diskutieren. Aber im Moment haben wir viel wichtigere Projekte für unsere Stadt.
Meine lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger,
eine Stadt mit dem Bevölkerungswachstum wie in Ingolstadt hat eine hohe Integrationsleistung zu erbringen.
Ich glaube aber, dass sich die allermeisten unserer Neubürger in unserer Stadt in aller Regel sehr rasch sehr wohl fühlen und mit dieser Stadt identifizieren. Immer wieder höre ich von Neubürgern: Ingolstadt ist viel schöner, als ich es erwartet habe, und ich lebe sehr gerne hier.
Tatsache ist: Wir müssen uns bemühen, Ingolstadt zur Heimat für alle zu machen. In einer Stadt muss Platz für viele Lebensentwürfe und viele kulturelle Sichtweisen sein. In einer Stadt muss auch so viel soziales Verantwortungsgefühl herrschen, dass man auf die Benachteiligten und alle Leute, die es schwer im Leben haben, zugeht und ihnen hilft.
In unserer Stadt, meine Damen und Herren, darf uns keiner verloren gehen. In unserer Stadt soll sich jeder wohl fühlen.
Und zu einer lebenswerten und erfolgreichen Stadt gehört auch bürgerschaftliches und ehrenamtliches Engagement. Ich glaube, dass wir auch dafür in Ingolstadt vorbildlich sind und ich bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich, bei allen, die dazu beitragen.
Gestatten Sie mir in diesem Zusammenhang auch den Hinweis auf die Bürgerstiftung. Die Bürgerstiftung wurde ja bekanntlich im Rahmen einer Neujahrsrede, der von 2003, angestoßen, und ich möchte es nicht versäumen, Ihnen kurz über die weitere Entwicklung zu berichten. Ich bin froh, dass unsere Bürgerstiftung heute zu einer der größten bundesdeutschen Bürgerstiftungen herangewachsen ist.
Wir können heute auf ein Kapital von über zwei Millionen Euro verweisen und berichten, dass in den Jahren zwischen 2005 und 2011 bereits eine breit gefächerte Reihe von sozialen, kulturellen und bürgerschaftlichen Initiativen unterstützt werden konnte - und dies mit einem Betrag von 530.000 Euro.
Eine Stadt ist nur so viel wert, wie ihre Bürgerinnen und Bürger bereit sind, sich für sie einzusetzen - das war der Leitsatz, der zur Gründung unserer Bürgerstiftung Ingolstadt geführt hat. Wir haben damals als weitere Grundidee hinzugefügt: Es gibt viele Ingolstädterinnen und Ingolstädter, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich einbringen.
Es gibt aber auch viele Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, die beruflich oder aus anderen Gründen ein solches zeitliches Engagement nicht erbringen können, aber durchaus bereit sind, sich in die Gemeinschaft dann durch finanzielles Engagement einzubringen.
Ich danke den vielen, die sich bereits in unserer Bürgerstiftung engagieren, und ich möchte den Appell an Sie richten, das für sich ernsthaft in Erwägung zu ziehen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ein Thema gewinnt für die Kommunen sehr stark an Bedeutung, und soll deshalb auch angesprochen werden: die Energiepolitik.
Es ist nun nicht so, als würden die Städte das Thema Energie erst jetzt entdecken. Unstrittig ist aber, dass angesichts der erklärten Politik der Bundesregierung und der Landesregierungen zur Energiewende die Thematik der Energiegewinnung und der Energieeinsparung an Bedeutung zugenommen hat.
Die Stadt Ingolstadt hat auf die Herausforderungen reagiert, indem sie eine Energiekonferenz einberufen hat.
In einer ersten Runde hatten dort alle, die sich für das Thema interessieren, die Vereine, Organisationen und Verbände, darüber hinaus alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, ihre Anregungen, Visionen und Vorschläge einzubringen.
Die Energiekonferenz hat zwei Arbeitsgruppen gebildet, die sich in zwei wesentlichen Bereichen Gedanken über mögliche Handlungsfelder der Kommunalpolitik gemacht haben.
Der erste Bereich ist die Energiegewinnung: hier geht es darum, auf möglichst dezentrale Art und Weise Energie vor Ort zu gewinnen. In diesem Bereich wollen wir aber auch überlegen, welche Kooperationen zwischen den einzelnen Gebietskörperschaften denkbar sind und ob es nicht vielleicht Sinn macht, gemeinsam mit strategischen Partnern in größer angelegte Projekte der Energiegewinnung zu investieren.
Der zweite Bereich ist die Reduzierung des Energieverbrauchs. Hier geht es um die Energieeinsparung und die Steigerung der Energieeffizienz.
Wir wollen dieses Thema durch die Errichtung einer Energieagentur für Ingolstadt und Teile der Region offensiv angehen. Diese Energieagentur soll eine produkt- und anbieterneutrale Beratung von Bürgern, von Handwerk, Handel und Industrie bieten und alle wichtigen Informationen zur erfolgreichen Gestaltung der Energiewende sammeln. Darüber arbeiten wir an einem Energienutzungsplan, der die verschiedenen Energiepotenziale in unserer Stadt aufzeigen soll, aber auch die möglichen Nutzungskonflikte, die dann politisch abgewogen und entschieden werden müssen.
Gott sei Dank fangen wir in Ingolstadt nicht bei Null an. Der Anteil von Atomstrom, der in Ingolstadt von den Haushalten heute genutzt wird, liegt bereits jetzt mit 13 Prozent bei rund der Hälfte des Bundesdurchschnitts und der Anteil von erneuerbaren Energien in der Stromversorgung Ingolstadts liegt etwa doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.
Wir haben mit unseren Tochterunternehmen - Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft und Sparkasse - ein Programm aufgelegt und allein sieben Millionen Euro auf den Dächern unserer Wohnungsbaugesellschaft in Photovoltaikanlagen investiert. Beim Ausbau des bisherigen und des neuen Güterverkehrszentrums wurde ebenso Photovoltaik installiert, wie auf dem Dach des neuen Audi Sportparks. In Ingolstadt gibt es aktuell 2045 Solaranlagen und 1099 Photovoltaikanlagen.
Die Photovoltaikanlagen produzieren annähernd genauso viel Strom wie das E-ON Wasserkraftwerk an der Donau.
Zum Stichwort Biomasse: Wir sind zu 51 Prozent an einer neuen Gesellschaft beteiligt, die eine Anlage zur Vergärung von Bioabfall errichtet hat. Etwa die Hälfte des entstehenden Biogases wird zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Und sogar in unserer Kläranlage wird durch die Behandlung des Rohschlammes Methangas gewonnen.
Ein ganz großes Thema ist in Ingolstadt die Fernwärme. Unsere Müllverwertungsanlage speist momentan zusammen mit den Blockheizkraftwerken der Stadtwerke eine Wärmemenge von rund 200.000 MWh pro Jahr ins Fernwärmenetz ein.
Wir sind stolz auf das größte Fernwärmeprojekt in Bayern, das wir zusammen mit der Raffinerie Petroplus und Audi im letzten Jahr in Betrieb genommen haben. Mit diesem 23 Millionen Euro Projekt kommt eine weitere Wärmemenge von rund 130.000 MWh dazu. Insgesamt entspricht das in etwa dem Heizenergieverbrauch von 16.500 Einfamilienhäusern.
Wir haben auch ein besonders ambitioniertes Programm in Sachen Energieeinsparung in öffentlichen Gebäuden umgesetzt. Die bisherigen Kosten dafür summieren sich auf ca. 10 Millionen Euro. Dazu kommt ein Programm zur energetischen Sanierung von vereinseigenen Sportanlagen und Vereinsheimen.
Ich möchte aber auch ausdrücklich darauf aufmerksam machen, dass Nutzungskonflikte beim verstärkten Einsatz regenerativer Energien in den Kommunen auftreten können. Es geht um die Frage, ob man Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Flächen haben möchte oder ob man sie im oft denkmalgeschützten Altstadtbereich verwenden soll. Es geht um die Beurteilung von Windkraftanlagen in Bezug auf Lärm, Schattenwurf, die Gefahr für Vögel und die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. Und beim Biogas um die Geruchsproblematik, die "Vermaisung" der Landschaft und vieles mehr. Überregional darf man schon jetzt gespannt sein, wie die Bevölkerung und die Umweltverbände zum erforderlichen Ausbau der Kapazitäten in den Bereichen Speicherkraftwerke und Stromleitungssysteme stehen werden.
Die Energiewende wird nur mit den Bürgern gelingen. Das ist einfacher gesagt als getan.
Die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, hat darauf verwiesen, dass in vielen Kommunen Investoren und Politik in einem zähen Prozess um Akzeptanz ringen. Proteste gegen infrastrukturelle Projekte fänden bei der Bevölkerung breites Verständnis.
Zitiere jetzt:
"76 Prozent der Bevölkerung haben grundsätzlich Verständnis dafür, wenn Bürger gegen solche Projekte demonstrieren und sich bemühen, sie zu verhindern. Es gibt zwar durchaus Projekte, denen die Mehrzahl aufgeschlossen gegenüber steht, etwa der Bau von Umgehungsstraßen, Krankenhäusern und Schulen.
Deutlich schwieriger ist es aber Akzeptanz für neue Kohle- und Gaskraftwerke zu gewinnen, für Entsorgungsprojekte, einen Flughafenausbau oder eben neue Energietrassen." (Zitatende)
Wir haben in Ingolstadt eine ganze Reihe von Instrumenten dafür entwickelt, die Bürgerinnen und Bürger an den Planungen zu beteiligen, etwa in Bürgerversammlungen auf denen sich die Bürgermeister und Referenten in den einzelnen Stadtteilen regelmäßig der Diskussion stellen.
Ich verweise darauf, dass wir die einzige Stadt in Bayern sind, die je - außer München wo sie gesetzlich vorgeschrieben sind - Bezirksausschüsse eingerichtet hat, die als Bindeglied zwischen den Bürgern, der Stadtverwaltung und dem Stadtrat dienen.
Die Bezirksausschüsse sind Vor-Ort-Politik in Reinkultur. Sie geben jedem Bürger die Möglichkeit, sich mit den konkreten Fragen seines unmittelbaren Lebensumfeldes an die Verwaltung oder die Politik zu richten.
Und ich möchte auf die neuen Möglichkeiten der Mitwirkung hinweisen, die wir durch den neuen Bürgerhaushalt geschaffen haben. Ich glaube, dass gerade unser Bürgerhaushalt die Chance bietet, Anregungen der Bürgerinnen und Bürger direkt und zeitnah umzusetzen.
Darüber hinaus gibt es ein Ideen- und Beschwerdemanagement bei der Stadt und neue Ansätze bei der Aufstellung des Flächennutzungsplans, die die Bürgerinnen und Bürger einbeziehen.
Wir tun wirklich viel und wir sind jeder Anregung gegenüber offen, die uns ein Plus an Bürgerbeteiligung beschert. Wir möchten die Menschen mitnehmen. Es braucht aber dazu auch Bürger, die sich mitnehmen lassen wollen.
Wir sehen sehr oft, dass die Bürgerschaft als Kollektiv ein hohes Maß an Gemeinsinn offenbart, dass Einzelne als Individuen aber ein hohes Maß an Selbstverwirklichung anstreben und ihr Partikularinteresse als Gemeinwohl missverstehen.
Natürlich wird es auch immer die Debatte um Einzelfälle sowie um den richtigen Weg geben, in welche Richtung sich eine Stadt wie Ingolstadt entwickeln soll.
Diese Frage kann man aus zwei unterschiedlichen Positionen betrachten. Die eine Position ist die der Tradition, der Erhaltung, der es darum geht, den bestehenden Zustand, das überbrachte bauliche und kulturelle Erbe zu bewahren.
Die andere Position ist die der Veränderung, die eine Stadt nicht als etwas ein für allemal Fertiges erkennt, sondern sie als einen Organismus im Wandel begreift, den man auch fit für die Zukunft machen muss. Der ehemalige Bundespräsident Gustav Heinemann hat es so gesagt: "Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte."
Aber mehr denn je löst Neues Ängste vor Veränderungen aus. Fast jede Veränderung ruft vor allen Dingen Befürchtungen und Bedenken hervor. Nur wenigen ist Veränderung sympathisch. Dabei hat beides seinen Sinn.
Und das bezieht sich auf viele Bereiche der Stadtpolitik: den Städtebau, die Stadtplanung, die Sozialpolitik, usw.  Letztlich geht es in der Politik um die Integration aller Aspekte.
Es geht auch um die Toleranz in der Auseinandersetzung, um die Fähigkeit andere Entwürfe und andere Lösungen zu ertragen und sie letztlich auch zu akzeptieren. Dies geht nicht durch Spaltung, durch Dissonanz, durch Streit. Es geht nur durch Kooperation, Zusammenarbeit und die Entwicklung eines Gemeinschaftsgefühls.
Dies war übrigens in der Geschichte eines der Kennzeichen der Entwicklung hin zur Stadt:
Die gemeinsame Nutzung eines beschränkten Stadtgebiets durch Persönlichkeiten in unterschiedlichster Art, die gerechte Aufteilung der Ressourcen und die Bereitstellung gegenseitiger Hilfen.
Die Städte sind größer geworden, die Herausforderungen haben sich vervielfacht, die Meinungsfreudigkeit ist gewachsen. Aber - das Grundrezept ist geblieben: aus gegenseitigem Respekt und planvoller Kooperation, aus echtem Gemeinschaftssinn und der Orientierung am Gemeinwohl erwächst der Erfolg einer Stadt.
Vielleicht sind das ein paar Gedankenanstöße für die Gespräche, die wir jetzt gleich führen können und zu denen ich Sie einlade.
Ich möchte Ihnen abschließend nochmals alles Gute fürs neue Jahr wünschen.
Ein gutes neues Jahr für unser Ingolstadt und die Bürgerinnen und Bürger unserer schönen Stadt.

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