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01.02.2012
Keine alternative Energie ausschließen
Leobendorf: Alle Besucher der Veranstaltung am vergangenen Mittwoch im Gasthaus Leobendorf waren sich einig. Man solle keine alternative Energie im Zuge der Energiewende ausschließen. Der CSU Ortsverband Laufen-Leobendorf konnte mit Johannes Schweiger von der GEOEnergie Bayern und mit Dipl. Regierungsbaumeister Anton Zeller hochrangige Referenten begrüßen.
Ortsvorsitzender Christian Schmidbauer umringt von Bürgermeister Hans Feil und einigen Stadträten im gut besuchten Saal machte in seinen einführenden Worten deutlich, dass sich die CSU für zukunftsorientierte Energiequellen einsetze. Nicht ohne Grund hat man hier in der Region als erste politische Vertretung das Thema Wasserkraft auf den Weg gebracht. Er machte weiters deutlich, dass im Dezember 2011 durch schlecht ausgebaute Leitungsnetze von Norddeutschland in den Süden die Netze überlastet waren und Strom aus Österreich zugekauft werden musste. Aufgrund dieser Tatsache gingen in Österreich unter anderem ein altes Ölkraftwerk und zwei Erdgaskraftwerke des Versorgers EVN wieder in Betrieb, ausschließlich um den Süden Deutschland zu versorgen. Außerdem wurde 25% des Stromes aus dem maroden Atomkraftwerk Temelin von Österreich zugekauft. Schmidbauer machte weiters klar, dass diese Situation in Zukunft zu vermeiden wäre, wenn hier die Widerstände gegen die regenerativen Energien und dessen Auswirkungen aufhören würden. Wasserkraft und Geothermie schätzte der Laufener CSU-Chef als zwei wichtige Säulen für die zukünftige Energieversorgung ein.
Anton Zeller widmete sich in seinem Vortrag der Wasserkraft. Bayern sei reich gesegnet mit der Wasserkraft, die sehr kostengünstig sei. Mit 14 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr (kWh) wird in Bayern ca. 20% des Stroms aus Wasserkraft erzeugt. Mittelfristig wären durch Modernisierung, Neubau und Reaktivierung ca. 4 Milliarden kWh zusätzlich erzeugbar. Damit können alle Haushalte in Bayern mit sauberen Strom versorgt werden.
Zeller erläuterte die verschiedenen Bauarten der Wasserkraftwerke und konnte für alle möglichen Anwendungen Beispiele aufzeigen. Er spannte den Bogen von sogenannten Wasserkraftschnecken bis hin zu Schiffsmühlen.
Hinsichtlich der Salzachsanierung plädierte Zeller für eine Kombinationsnutzung. Dringend nötig ist es die flussbaulichen Sanierungsmaßnahmen mit einer sauberen Energieerzeugung zu kombinieren. Von Freilassing bis zur Innmündung ist ein Gefälle von 50m gegeben. Würde man diese gesamte Energie nutzen, könnte man 1 Milliarden kWh pro Jahr erzeugen. "Sieht man aus ökologischen Gründen freie Fließstrecken vor, dann könnten immer noch mehrere hundert Millionen kWh erzeugt werden", war sich Zeller sicher. Allein der Strombedarf des Landkreises Berchtesgadener Land könnte damit für immer gedeckt werden. Der Mensch sollte Zellers Auffassung nach sensibel an der Kulturlandschaft weiterbauen.
Ein Zurück zur Urnaturlandschaft sei übertrieben. Die heutige oftmals vertretene Meinung "für Brandschutz und gegen Feuerwehr", "für Handys gegen Funkmasten" sei keine Einstellung für die Zukunft. Energie zum Nulltarif gibt es nicht, so der Referent. Die erneuerbaren Energien sind unschlagbar gegenüber den herkömmlichen und atomaren Energien, weil sie keine Rohstoffe unwiederbringlich vergeuden, die Umwelt nicht verschmutzen und keine radioaktive Verseuchung verursachen.
Bürgermeister Feil, der sich sehr sachkundig zeigte, ergänzte Zeller, dass die Stadt Laufen durchaus interessiert sei, alle alternativen Energien zu nutzen und sah hier die Wasserkraft sehr weit vorne, vor allem im Freilassinger Becken.
Johannes Schweiger, von der GEOEnergie Bayern, erläuterte zu Beginn seines Vortrages die Kurzgeschichte der Geothermie und stellte fest, dass durch erstandene Aufsuchungsfelder zahlreiche Möglichkeiten bestehen, in Oberbayern Geothermiekraftwerke zu bauen. Die Aufsuchungsfelder, vergeben durch das Bayerische Wirtschaftsministerium, zeigte Schweiger im Detail. Speziell im Gebiet Laufen/Waging/Altötting gebe es einige Standorte, die zu prüfen wären. Durch geophysikalische Vorprüfungen, die die Mitarbeiter der GEOenergie Bayern schaubildlich erläuterten, konnte man sehen, dass es für das Gemeindegebiet Laufen im Westen und Südwesten durchaus Möglichkeiten gäbe. Die Ressource Thermalwasser aus dem sogenannten Malmkarst, welche im Gebiet Laufen in etwa 4500 Meter unter der Erdoberfläche vorhanden ist, kann lokal zur Stromgewinnung und Wärmeerzeugung genutzt werden. Erdbebengefährdung ist durch diese Nutzungsart nahezu auszuschließen. Weiter machten die Mitarbeiter der GEOEnergie klar, dass es sich bei allen Bohrungen um Tiefenbohrungen handle und das erwärmte Wasser nach der Abgabe der Wärme wieder in die Erde fließen würde. Der zur Erzeugung nötige Stromverbrauch könnte dann wiederum durch Wasserkraft erzeugt werden. In Kirchweidach entsteht derzeit ein Geothermiekraftwerk, das sich durch die landwirtschaftliche Bauweise ideal in die Umgebung einpasse. Bohrungen in Traunreut und Untersuchungen in Kirchanschöring zeigen, dass diese alternative Energie im Vormarsch sei.
Doch, so Schweiger durchaus kritisch, versäumte man in der Vergangenheit andere Kontinente im Ausbau der Geothermie einzuholen. Vorreiter seien hier die West-USA, die Philippinen und auch Neuseeland, welche jedoch durch geologische Besonderheiten favorisiert sind. In der Rangliste der installierten geothermischen Leistung stehe Deutschland gerade noch vor Österreich, aber knapp hinter Äthiopien, was bei den Besuchern Verwunderung auslöste.
Durch ein Geothermiekraftwerk in Kirchanschöring könnten Schätzungen zu Folge ca. 12.000 Privathaushalte versorgt werden.
"Viele Projekte werden in Oberbayern in den nächsten Jahren angepackt. Es zeigt deutlich, dass diese Energieform auf dem Vormarsch ist, " war sich Schweiger sicher. Das am nächsten an Laufen liegende Gebiet Kirchanschöring würde voraussichtlich in den Jahren 2014/2015 konkret werden.
In der Diskussionsrunde brachten die Referenten noch zahlreiche Detailfakten vor, so dass die Besucher über die beiden Energieformen rundum informiert wurden.
Ortsvorsitzender Schmidbauer dankte den Besuchern aufs herzlichste, versäumte es aber nicht darauf hinzuweisen, dass es unabdinglich wäre, Vorurteile gegenüber den alternativen Energien abzulegen und sich über alle möglichen Formen zu informieren. Er hoffte weiters, dass die Gemeinde Laufen in Zukunft von den möglichen Schritten profitieren werde und die Bürger weiterhin bezahlbaren Strom erhalten.
Foto 3: Johannes Schweiger (links) und Florian Breinbauer von GEOEnergie Bayern
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