Artikel

08.04.2011
S-Bahn-Ringschluss
Die Mammut-Sitzung des Erdinger Stadtrats am 31.03.2011 mit Vertretern des Bayerischen Wirtschaftsministeriums hat deutlich gemacht, dass die Öffentlichkeit (ca 400 Zuhörer) an dem Zukunftsprojekt S-Bahn-Ringschluss außerordentlich stark interessiert und zugleich die vorgestellte Lösung mit einer Menge von Fragezeichen versehen ist.
Für die CSU-Stadtratsfraktion sind insbesondere folgende drei Punkte noch klärungsbedürftig:
-
Alle Gutachten sagen für die Flughafenregion ein in der ganzen Republik überdurchschnittliches Wachstum voraus. Man nimmt an, dass die Erdinger Landkreisbevölkerung um jährlich 1000 Einwohner (E) zunimmt, der Stadt Erding werden bis Anfang/Mitte der 20er Jahre 16% (= 5600 E) mehr Einwohner im Vergleich zu heute prognostiziert. Dagegen hat das Wirtschaftsministerium bei seinen Fahrgastberechnungen einen Bevölkerungszuwachs von 1700 E in der Stadt Erding für den Zeitraum von 2007 bis 2020 angenommen. Dieser eklatante Unterschied bedarf dringend einer Klärung.
-
Völlig unbefriedigend – und letztendlich nicht hinnehmbar – ist die höhengleiche Querung der Bahnhofstraße in Altenerding. Noch 2002 ist das Wirtschaftsministerium von einem möglichen 10-Minuten-Takt der S-Bahn auf der Strecke Flughafen – Erding – Markt Schwaben ausgegangen. Legt man diese Taktfrequenz zu Grunde und geht zugleich von einer Schrankenschließzeit von 2,5 Minuten pro Zug aus, dann ergibt sich eine Gesamtschließzeit von 30 Minuten in der Stunde. Dazu kämen bei der Südtrasse der Regionalbahn noch zwei Regionalzüge pro Stunde, und damit eine Schließzeit von 35 Minuten in der Stunde. Die vom Wirtschaftsministerium genannte Schließzeit von 21 Minuten macht aber von vornherein einen 10-Minuten-Takt unmöglich. Hier wird offentsichtlich einem 14-Jährigen ein Maßanzug verpasst, der dem in 50 Jahren Ergrauten immer noch passen soll. Fazit: Die Bahn muss in Altenerding unterführt werden.
-
Die Errichtung eines Bahnhofs unmittelbar nördlich der Haager Straße kann städtebaulich keineswegs überzeugen. Das Wirtschaftsministerium hat noch 2004 betont, der Bahnhof zwischen Haager und Dorfner Straße habe nicht das in den nächsten Jahrzehnten erforderliche Entwicklungspotential. Weder sei genügend Platz für die Gleiskörper vorhanden noch könnten hinreichend Park&Ride-Plätze geschaffen werden. Selbst wenn sie vorhanden wären (etwa in einem Parkhaus; wer soll dies bauen?), würde der gesamte Zielverkehr durch die Stadt zum Bahnhof geschleust werden.
Deshalb muss nach Auffassung der CSU, die Option für das Fliegerhorstareal noch intensiver untersucht und verhandelt werden. Der S-Bahn-Ringschluss und die Regionalbahnanbindung sind nicht zuletzt vor allem auch für den Flughafen im Erdinger Moos von eminenter Bedeutung. Dann muss aber auch die Bundesrepublik Deutschland als Anteilseigner am Flughafen Franz-Josef-Strauß zu dieser wichtigen Verkehrsinfrastruktur einen über das übliche Maß hinausgehenden Beitrag leisten.
Die unterschiedlichen Fahrgastzahlen für die beiden Bahnhofstandorte, die das Wirtschaftsministerium vorgelegt hat, können ebenfalls nicht überzeugen.
Jakob Mittermeier
Fraktionsvorsitzender der CSU Stadtratsfraktion
WERKZEUGE






