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02.08.2011

Keimzellen des gesellschaftlichen Miteinanders

Auf der Visitenkarte ist unter dem Bundesadler vor lauter Funktionen kaum noch eine weiße Fläche. 18 Jahre Politik habe sie schon voll, sagt die 32jährige Dorothee Bär. 24 Jahre jung sei sie gewesen bei ihrer Wahl in den Deutschen Bundestag. Heute ist die diplomierte Politologin und Journalistin ein Aushängeschild der CSU. "Nicht das Alter ist wichtig, sondern die Leistung", findet Dorothee Bär. Mit 32 Jahren und Mutter zweier Kinder führt Dorothee Bär ein Leben zwischen unterfränkischer Heimat und der Bundeshauptstadt, zwischen Löwen und Bären, wie sie sagt und zwischen Ebelsbach im Landkreis Haßberge und München.

Dorothee Bär reagiert verhalten auf die Frage, wie ihr der Spagat zwischen Familie und Karriere gelingt: "Dieses Problem stellt sich ja nicht nur mir, sondern vielen anderen Eltern". Aus eigenem Erleben kennt die junge Frontfrau der CSU mit ihren Ämtern als stellvertretende Vorsitzende der Jungen Union Deutschland und als stellvertretende CSU-Generalsekretärin, die Kunst, Heim und Beruf in Einklang zu bringen.

Deshalb klingen ihre Aussagen zu familienpolitischen Themen so glaubwürdig und praxisorientiert. Beim traditionellen Sommergespräch des CSU-Ortsverbandes Eschenbach im lauschigen Biergarten der Freizeitanlage Rußweiher stellt die bürgernahe Volksvertreterin dann auch die Leistungen des Bundes für den Aufbau der Kinderbetreuung heraus: "Wir haben dafür gesorgt, dass der Bund einen Teil der Ausbaukosten für Kindertagesstätten trägt, obwohl die Finanzierung der Betreuungsplätze eine Gemeinschaftsaufgabe von Ländern und Kommunen wäre".

In ihrem abendfüllenden Plädoyer zur Unterstützung der Familien als "unverzichtbare Keimzellen des gesellschaftlichen Miteinanders" grenzt sich die CSU-Politikerin deutlich vom individuellen Egoismus ab. Das Zukunftsmodell "Familie" stehe für Solidarität und Gemeinsinn, sagt die familienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und erinnert an entsprechende Leistungsgesetze des Bundes. Trotz hoher Schuldenlage habe die Bundesregierung mit der Einführung des Elterngeldes einschließlich der Vätermonate, der Erhöhung des Kindergeldes, des Kinderfreibetrages und der besseren Absetzbarkeit von Aufwendungen für die Kranken- und Pflegeversicherung familienpolitische Ausrufezeichen gesetzt.

Gleichrangig und gleich wichtig ist für die familienpolitische Expertin der Konservativen die Arbeit in der Familie und im Beruf. "Daher brauchen wir eine neue Kultur der öffentlichen Anerkennung von Familienarbeit", fordert Dorothee Bär. Besonders das Betreuungsgeld könne dazu einen Beitrag leisten. Eine Kernforderung der CSU sei es, ab dem Jahr 2013 denjenigen Eltern ein Betreuungsgeld zu zahlen, die ihre Kinder im Alter von einem bis drei Jahre zu Hause erziehen. Die verschiedenen Lebensentwürfe von Familien dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, erklärt die Abgeordnete. "Eltern, die sich um die Betreuung ihrer Kinder persönlich kümmern, sind nicht rückständig. Sie erfahren viel Freude", weiß die CSU-Frau. Das Betreuungsgeld sei ebenso ein Instrument der Wahlfreiheit wie es der Ausbau der Betreuungsplätze sei. Die berechtigte Forderung der CSU mit dem Schlagwort "Herdprämie" abzuqualifizieren, sei unsachlich.

In freier Rede spannt Dorothee Bär dann einen Bogen von der "Vier-Generationen-Gesellschaft" und der  Rushhour des Lebens bis hin zur Seniorenbetreuung. "Auch die Senioren sind vollwertige Mitglieder der Gesellschaft", betont sie und fordert Menschenwürde auch im Alter. Dazu gehöre auch eine gesicherte Finanzierung der Renten-, Gesundheits- und Pflegeleistungen. Schließlich kehrt die junge Mutter wieder zum Ausgangsthema zurück: "Diejenigen Eltern sind zu bedauern, die keine Kinder wollen. Im Alter sehnt sich dieser Personenkreis nach der Wärme und der Freude der Enkelkinder". In seiner Dankadresse unterstreicht CSU-Ortsvorsitzender Wolfang Denk als dreifacher Vater diese Einschätzung: "Niemand kann so viel Freude zurückgeben, wie ein Kind".

Zeit nimmt sich Dorothee Bär auch für die Diskussion. Zirka eine Stunde beantwortet sie zahlreiche Fragen zu familien-, gesundheits- und gesellschaftspolitischen Themen. In einem kurzen Grußwort hatte stellvertretender Landrat Willi Neuser schon vor Beginn der Grundsatzrede auf das Thema des Abends eingestimmt: "Wie unser Land und unsere Gesellschaft in einigen Jahrzehnten ausschaut, das entscheiden die Familien", mutmaßte der dienstälteste Kreispolitiker.

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