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05.09.2010
Kritik am Konzept
Die Gefahr eines Vulkanausbruches auf dem Rauhen Kulm erscheint gering. Doch nun droht den Eschenbachern eine zerstörerische Flutwelle. Glaubt man den Hochwasserschutz-Experten, ist eine gewaltige Hochwasserwelle, begleitet von Schlamm- und Geröllmassen, entlang des Eschenbachs nur eine Frage der Zeit.
Dieses Szenario befürchtet jedenfalls die Ingenieurgemeinschaft SKI aus München. Das anerkannte Büro für Wasserwirtschaft und Wasserbau hat in einer Studie für die Stadt Eschenbach auch schon die Sachschäden der angenommenen Wasserfront vorausberechnet. Ermittelt wurde ein Schadenspotenial von zirka 18 Millionen Euro. Auch eine Wahrscheinlichkeitsberechnung liegt vor. Berechnet wurde ein sogenanntes HQ 100 - Regenereignis, ein Starkregen, der in der Theorie alle hundert Jahre die Region heimsucht.
Die Ingenieure simmulieren in ihren Berechnungen zunächst Dammbrüche am Häusel- und Rußlohweiher. Dabei handelt es sich um eine dem Obersee vorgelagerte Weiherkette. Den folgenden schlagartigen Anstieg des Wasserspiegels im Obersee wird den Damm "überspülen" und schließlich brechen lassen, befürchten die Hochwasserschützer. Das Flutinferno würde sich am Rußweiher fortsetzen.
Sicherungsmaßnahmen für Obersee und Rußweiher seien deshalb ein Gebot der Stunde, meint das Ingenineurbüro. Das Sanierungskonzept sieht eine massive Verstärkung des Oberseedammes mit einer Innnendichtung vor. "Zur Vermeidung von Erosionen ist im Damm eine Dichtwand einzubauen", empfielt die Firma SKI. Vorgeschlagen wird eine Spund- oder Betonwand zwischen fünf und 8 Metern Tiefe, 40 Zentimeter dick über die ganze Länge des Oberseedammes. Zu den Schutzmaßnahmen gehören ferner Eingriffe in den Gehölzbestand und eine 80 Meter breite Mulde in der Dammmitte. Diese soll bei Hochwasser als Überlauf wirken. Auch ein neues Mönchbauwerk beinhaltet das Schutzkonzept.
Für die Hochwasserentlastung des Rußweihers favorisiert das Expertenteam ein 5,50 Meter und einen Meter tiefes Gerinne neben dem Freibadgebäude. Die Flutmulde soll mit Holzbohlen abgedeckt werden. Im Staatsstraßenbereich leiten danach zwei 1100-Millimeter-Rohre (DN 1100) die Wassermassen unter der Straße in den Eschenbach ab. Für das Millionenprojekt gewährt der Freistaat derzeit einen Zuschuß in Höhe von 50 Prozent.
Die Schlußfolgerungen aus dem ermittelten Gefahrenpotential und den sich daraus ergebenen baulichen Konsequenzen waren beim Sommergespräch der CSU in Sichtweite der Gefahrenquellen ein lebhaft diskutiertes Thema. Als Baufachmann beleuchtete Fraktionsführer Stephan Prösl anhand einer Planskizze zunächst die Kernaussagen des Sicherungskonzeptes. Der Sadtrat sprach von einer "halben Wahrheit" in der Planstudie. "Ich vermisse Überlegungen zum Bachausbau, denn ab dem Fußballplatz müssen Bachlauf und Durchlässe vergrößert werden".
Nicht beruhigen konnte sich Hubert Schug über die angedachte "Monstermauer" im Oberseedamm. "Wo bleibt der gesunde Menschenverstand", fragte sich der Stadtrat "denn jeder Laie verstehe, dass über 800 Meter Betonwand am Obersee Unsinn sind". Martin Gottsche wiederum hält die Einschätzung für Außenstehende für äußert schwierig. Aber auch der stellvertretende Fraktionssprecher der Stadtratsfraktion hält das Hochwasserschutzkonzept in Teilbereichen für "hinterfragenswürdig". "Mit dem Bau der Spundwand werden erst die Probleme geschaffen", befürchtet Gottsche.
Josef Riedl verwies auf eine Wasserscheide an der Kreisstraße zwischen der Holzmühle und Kirchenthumbach. "Die Wassermassen aus dem Wölkersdorfer Gebiet fließen in Richtung Holzmühle und dann in die Creußen ab", wußte der Teichwirt zu berichten. Diese Fließrichtung verringere auch die Hochwassergefahr für die Weihergebiete am Obersee. Peter Hübl erinnerte daran, dass der ursprüngliche Antrag der Stadt auf eine Entschlammung des Großen und Kleinen Rußweihers abgezielt habe. "Denn auch Schlammentsorgung ist Hochwasserschutz", bemerkte er. Nun sei die Schlammentsorgung im Schutzkonzept nur noch untergeordnet, bedauerte der ehemalige 2. Bürgermeister. "Die CSU-Fraktion wird jedenfalls kritischer Begleiter des millionenschweren Maßnahmenpakets bleiben", versicherte Fraktionschef Stephan Prösl.
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