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Im "Straubinger Gespräch" betont Alois Glück die Bedeutung des christlichen Menschenbilds

Ein Plädoyer für christliche Werte

 

Straubing. "In 14 Tagen werde ich die CSU ein wenig in Unruhe versetzen!" Diese Ankündigung machte Alois Glück, ehemaliger CSU-Landtagsabgeordneter, Landtagspräsident und Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, bei der Jubiläumsveranstaltung der Reihe "Straubinger Gespräche". Gemeint hat er damit ein Positionspapier, das er in Kürze lancieren will und in dem es darum geht, wo die CSU derzeit steht und wie ihr Selbstverständnis aussehen sollte – gerade auch um der AfD und dem Rechtsradikalismus zu begegnen. Glück geht davon aus, dass diese Thesen für Wirbel sorgen könnten, und hofft, dass sie Gehör finden.

Über einige Inhalte sprach Glück in Straubing und versuchte, in seinem halbstündigen Vortrag mit anschließender Diskussion zu zeigen, wie es den Deutschen gelingen kann, ihre Identität zu bewahren und dennoch Integration zu meistern. Noch nie habe es so viele Diskussionen um Werte gegeben wie in der heutigen Zeit, findet Alois Glück. Aus Werten, so erklärte er, entstehen Leitbilder und daraus Prioritäten. "Daran, wofür Geld ausgegeben wird, erkennt man, welche Werte zählen – das gilt auch für öffentliche Haushalte." Derzeit herrsche große Angst vor Identitätsverlust und Überfremdung. Das Problem, mit dem viele Einwanderer zu kämpfen haben, sieht er in der überbordenden Freiheit, die in Deutschland geboten werde: "Bei meinen Reisen habe ich gemerkt, dass diese unendliche Freiheit gerade viele Muslime überfordert. Daher versuchen diese krampfhaft, bei uns ihre eigene Identität zu leben. Unser größter Fehler ist es, dass wir glauben, alle ticken in der Welt so wie wir!"

Auch in der heutigen Zeit mache es Sinn, die christlichen Werte zu leben, gab Glück den Zuhörern mit auf den Weg. An erster Stelle stehe hier das Menschenbild. Das Wichtigste sei, zu verstehen, dass jeder Mensch denselben Wert habe, dieselbe Würde. Dies müsse uneingeschränkt immer gelten und bedürfe keiner Begründung. Der Artikel 1 im deutschen Grundgesetz ("Die Würde des Menschen ist unantastbar") sei einmalig auf der ganzen Welt. Und er habe Sinn: "Denn die gesamte Grausamkeit der Nazis resultierte aus ihrem Menschenbild der Herrenrasse – wer den Artikel 1 befolgt, der bekämpft Nationalsozialismus."

Auch der Sterbehilfe erteilte Glück eine klare Absage. Zudem sei der Umgang in der Gesellschaft mit der Barmherzigkeit entscheidend. "Damit unser System gelingt, müssen wir die kleinen Einheiten stärken, die Familien, die sozial Schwachen", machte er deutlich. Für Glück ist eine klare Wertorientierung unumgänglich, doch diese gebe es nicht geschenkt: "Dazu ist Sachkompetenz notwendig, Kompromissbereitschaft und der Wille zum dauerhaften Engagement." Zur christlichen Spiritualität gehöre, sich die Mühe zu machen, das notwendige Hintergrundwissen zu erwerben, um diskutieren zu können und auch komplexe politische Prozesse zu verstehen. "Diese Fachkenntnis darf nicht durch Überheblichkeit ersetzt werden."

Was den Christen am meisten fehle, seien Menschen, die bereit seien, mit ihrer Gesinnung "nach draußen zu gehen und diese zu vertreten". Als größten Schaden für die Gesellschaft bezeichnete Glück den Rechtsradikalismus und nicht die Tatsache, dass Flüchtlinge neu ins Land kamen. "Die Flüchtlingskrise hat zwei Dinge klar hervortreten lassen: Auf der einen Seite die große Hilfsbereitschaft als Stärke, auf der anderen Seite den glühenden Hass als Schwäche." Deshalb sei es enorm wichtig, zwischen Patriotismus und Nationalismus zu unterscheiden, ebenso wie zwischen Islam und Islamismus. "Die Menschen werden sich integrieren, aber sie brauchen Zeit. Auch wir verstehen nicht gleich, wenn wir ein paar Brocken Englisch gelernt haben, die englische Kultur", machte Glück deutlich. Dazu sei weiterhin die Solidarität der Gesellschaft notwendig – und das Menschenbild als wichtigster Wert.

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