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Behandelt in der Sitzung vom 22.06.2017

Errichtung einer Friedwiese im Friedhof St. Zeno

Hierzu schlagen wir folgenden Beschluss vor:

Der Stadtrat beschließt, auf der bezeichneten Rasenfläche im Friedhof St. Zeno eine Friedwiese einzurichten und dabei einen christlichen Gedenkort mit Verzeichnung der Namen vorzusehen. Die Verwaltung wird beauftragt, die nötigen Arbeiten vorzunehmen, einen Gebührensatz für eine dementsprechende Bestattung zu berechnen und eine Änderung der einschlägigen Kostensatzung vorzubereiten.

Begründung:
Sterben, Tod und Trauern sind höchstpersönliche Themen, die vielfach gesellschaftlich tabuisiert sind. Dennoch bzw. gerade deswegen sind mehrere Menschen aus der Bürgerschaft auf uns zugekommen und haben den Wunsch formuliert, auf dem Gelände des Friedhofs Sankt Zeno eine Friedwiese einzurichten.

Die Einrichtung von Friedwiesen gehört zu den alternativen Bestattungsformen und ist damit eine Entwicklung jüngeren Datums. Der Wunsch, in einer Friedwiese bestattet zu werden, kann einerseits als Ausdruck naturnaher Bestattung gesehen werden und ist andererseits vielfach eine Reaktion auf spezifische Familienverhältnisse (etwa keine nahen Verwandten oder Kinder leben zu weit vom Wohn- bzw. gewünschten Bestattungsort entfernt). Die Bestattung in einer Friedwiese schafft zudem eine Alternative zur unpersönlichen anonymen Bestattung und ermöglicht auch religiöse Riten bei der Bestattung. Die Asche der Verstorbenen wird bei einer Friedwiesen-Bestattung im Rahmen einer Bestattungszeremonie in eine klar abgegrenzte Rasenfläche eingelassen. Die Namen der Verstorbenen werden zwar nicht zwingend auf einem individualisierten Grabstein vermerkt, jedoch gemeinschaftlich auf einem Stein eingraviert, der den zentralen Ort der Trauer bildet.

Dass die Einrichtung einer Friedwiese vielfach gewünscht wird, hat auch ein Gespräch mit dem städtischen Friedhofswart, Herrn Franz Unterholzner, ergeben. Es kommt immer wieder vor, dass Menschen sich bereits im Vorfeld nach einer Bestattung in einer Friedwiese erkundigen und auch Angehörige treten in der akuten Trauersituation mit diesem Wunsch an die Stadt heran. Nachdem eine Bestattung in einer Friedwiese bislang nicht möglich war, ist der Regelfall, dass die Betroffenen eine Bestattung andernorts vorziehen anstatt auf eine traditionelle Bestattungsform auszuweichen. Wir möchten Reichenhaller Bürgern, die den Wunsch nach einer Friedwiesen-Bestattung haben, eine solche auch ermöglichen.

Die Einrichtung einer solchen Friedwiese ist mit verhältnismäßig geringem Aufwand möglich. Wir schlagen in Übereinstimmung mit Herrn Unterholzner die Rasenfläche vor, die am östlichen Eingang des Friedhofs Sankt Zeno vom Parkplatz her kommend belegen ist bzw. sich nach den ersten Gräberreihen links auftut (siehe Einzeichnung im Lageplan). Die bezeichnete Fläche von rund 120 Quadratmetern ist ruhig und parkartig angelegt und schon jetzt mit einer Einfassung klar begrenzt. Vorzunehmende Arbeiten beschränken sich im Wesentlichen auf eine Niveauangleichung, eine Neueinfassung und die Anlage eines gemeinschaftlichen Gedenksteines.

Bei diesem sensiblen Thema ist uns die Position der beiden großen christlichen Kirchen sehr wichtig. Wir haben daher die katholische und die evangelische Stadtkirche um eine Stellungnahme angefragt.

Von Seite der katholischen Kirche (Telefonat mit Herrn Stadtpfarrer Straßer-Langenfeld) wird die Einrichtung einer Friedwiese nicht grundsätzlich abgelehnt, da die Bestattung so innerhalb eines umfriedeten, geweihten Areals vorgenommen wird. Jedoch wird Wert darauf gelegt, dass der verstorbene Mensch in seiner Individualität erkennbar bleibt und daher eine Verzeichnung des Namens des Verstorbenen erfolgt, um einen Trauerort für den konkreten Menschen zu schaffen. Daraus folgt auch die Anregung, in unmittelbarer Nähe des aufzustellenden Gedenksteins ein christliches Symbol anzubringen, der wir uns ausdrücklich anschließen.

In einer Mail von Herrn Pfarrer Wirth wurde uns die Sicht der evangelischen Kirche mitgeteilt, deren wesentliche Inhalte hier wiedergegeben werden: Der wesentliche Aspekt bei der Gestaltung einer Friedwiese sollte aus der Sicht der evangelischen Kirche darin bestehen, dass durch die Möglichkeit zur Anbringung der Namen der Verstorbenen einerseits ein öffentlicher Ort für die Trauer von Zurückbleibenden ermöglicht wird; im Zusammenhang mit einem christlichen Symbol sollte andererseits zum Ausdruck gebracht werden, dass Gottes „Gedenken“ als sein Erbarmen nicht vergeht, sondern bleibt - und zwar bezogen auf jeden Einzelnen seiner Geschöpfe, die er mit Namen kennt. Aus christlicher Sicht ist es bedeutsam, die Bestattungskultur nicht auf individuelle Bedürfnisse von rechtlich zuständigen Angehörigen zu verengen, wozu es derzeit eine starke Tendenz gebe. Stattdessen müssten Erinnerung und Trauer als ein Teil allgemeiner Lebensäußerung im öffentlichen Raum gewährleistet bleiben. Oder einfacher: Sterben – wie auch Geboren-Werden - ist nicht nur privat, sondern von öffentlicher Bedeutung.

Wir schließen uns diesen Argumenten an und meinen darüber hinaus, dass die Respektierung des letzten Willen der Menschen Priorität genießt und dass zumindest jener Wunsch nach einer Friedwiese im Sinne der Achtung und Toleranz ermöglicht werden sollte. Wir möchten dabei ausdrücklich betonen, dass ein „Friedhofstourismus“ verhindert werden soll und monetäre Effekte absolut nachrangig sind. Trotzdem ist zu erwähnen, dass mittelfristig positive Effekte in der Friedhofsfinanzierung zu erwarten sind. Die Errechnung der Gebühren für einen Bestattungsplatz in der Friedwiese hat über die Kämmerei zu erfolgen und unterliegt den einschlägigen gesetzlichen Erfordernissen.

Anlässlich der Diskussion über die Friedhofssatzungen im Dezember 2016 haben wir eine gewisse Aufgeschlossenheit der Kollegen zur Einrichtung einer Friedwiese bemerkt. Wir wollen mit diesem Antrag hieran anknüpfen und beziehen uns ausdrücklich auch auf einen ähnlichen Vorstoß des Kollegen Schröter in der vergangenen Stadtratsperiode.

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