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Frauen-Union Deggendorf

„Schleierhaft - Die Rolle der Frau im Islam“

„Schleierhaft - Die Rolle der Frau im Islam“
 
(v.l.) Dr. Qais Siddigui (Kinderarzt aus Afghanistan), Beatrix Götzer (Vorsitzende Kath. Frauenbund Mariä Himmelfahrt), Anette Erös (Gründerin der Kinderhilfe Afghanistan), Yvonne Pletl (Vorsitzende Powerfrauen), Christa Katzdobler (Vorsitzende Frauen-Union Deggendorf)

Überaus groß war das Interesse am gemeinsamen Vortragsabend des Katholischen Frauenbundes, der Frauen-Union und der Powerfrauen zum Thema „Schleierhaft - Die Rolle der Frau im Islam“. Die Vorsitzenden Beatrix Götzer, Christa Katzdobler und Yvonne Pletl freuten sich im voll gefüllten Pfarrsaal Anette Erös, Leiterin verschiedener humanitärer Projekte in Afghanistan, und Kinderarzt Dr. Qais Siddigui begrüßen zu können.

Die öffentliche Debatte über den Islam war Anlass Annette Erös aus Regensburg einzuladen, um aus ihren Projekterfahrungen zu berichten und die Rolle der Frau im Islam zu beleuchten. Erös ist selbst Lehrerin von Beruf und hat während des Taliban-Regimes mit Ihrer Familie die Friedensschule Peschawar, eine der besten Bildungseinrichtungen für afghanische Flüchtlingsmädchen, errichtet. Daraus sind zwischenzeitlich über die Kinderhilfe Afghanistan 30 weitere Schulen, Ausbildungswerkstätten für Mädchen bis hin zu Computer-Ausbildungszentren entstanden. „Bildung ist der einzige Weg für die Stabilisierung und den Aufbau einer friedlichen Welt“, so die Referentin. Insgesamt seien die islamischen Frauen in Afghanistan sehr selbstbewusst und ehrgeizig.

Die Rolle der Frau sei in allen Kulturen durch die natürlichen Rahmenbedingungen, aber auch die religiösen Einflüsse geprägt, erläuterte Erös eingangs die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Rolle der Frau in den westlichen und östlichen Ländern. Es sei nur allzu natürlich, dass sich sowohl Männer als auch Frauen in Ländern mit extremen Temperaturen ihr Haupt mit einem Tuch bedecken. Dies habe nichts mit Religion zu tun. Die strenge Verschleierung der islamischen Frau und die Rolle der Burka habe zum Teil auch mit den Kriegen zu tun, weil sich dadurch Frauen vor Übergriffen zu schützen versuchten.

Auf dem Balkan habe es immer verschiedenen Religionen gegeben, die im Miteinander existierten. Der politische Islamismus habe nach Meinung von Anette Erös sehr viel mit dem Krieg der Sowjets in Afghanistan und dem sehr rigiden und strengem Wahhabi-Islam, der aus Saudiarabien nach Afghanistan gebracht wurde, zu tun. Auch die salafistischen Schulen in Afghanistan würden überall aus Saudiarabien heraus gebaut, erläuterte Erös. Im Islam gebe es viele verschiedene Ausrichtungen. Das Menschenbild im Islam gehe von der Gleichwertigkeit aller Menschen vor Gott aus, wobei Mann und Frau aufgrund ihrer unterschiedlichen Aufgaben im Alltagsleben auch unterschiedliche Rollen zu erfüllen hätten. Auch die Polygamie habe sich dadurch entwickelt, weil Frauen häufig bei den Geburten verstorben seien und dann der Mann oft die Schwester seiner Frau mit versorgen musste.