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Dorothee Bär/ Steffen Vogel

Wo drückt der Schuh? Marktplatzgespräche in Rhön-Grabfeld

 
Die Parlamentarische Staatssekretärin Dorothee Bär im Gespräche mit Bürgern aus Mellrichstadt und Umgebung. Links neben ihr Senator a. D. Karl Groenen. Im Hintergrund Frank Vetter, Mellrichstadts 3. Bürgermeister

 

Mellrichstadt. (frr) Was nützen gut gemeinte politische Parolen, wenn ihnen nicht Taten folgen? Die CSU wirbt um die Stimmen der Wähler u. a. mit der griffigen Formel „Näher am Bürger“. Die Abgeordnete im Deutschen Bundestag und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Dorothee Bär jedenfalls wollte es nicht bei Schlagworten belassen. Darum organisierte sie für den vergangenen Dienstag eine Tour durch den Landkreis Rhön-Grabfeld, die sie auch nach Mellrichstadt führte. Um halb zwölf kam sie mit MdL Steffen Vogel, Bezirksrätin Karin Renner, dem stellvertretenden Landrat Peter Suckfüll, ihren Assistenten aus dem Bundestag, aus ihrem Heimatort Ebelsbach und aus der CSU-Geschäftsstelle in Bad Kissingen an.

Frau Bär hatte in letzter Zeit viel Präsenz in ihrem Wahlkreis gezeigt, z. B. im Zusammenhang mit dem Breitbandausbau auch für die letzten Gemeinden hier oder wegen der Straßensanierungen im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans. Immer suche sie dabei den Kontakt zu den Bürgern, sagte sie am Dienstag. Die Tour durch Rhön-Grabfeld hatte sie darum auch unter das Motto „Wo drückt der Schuh?“ gestellt. Als sichtbares Zeichen hatte sie einen pinkfarbenen, hochhakigen Damenschuh mitgebracht, der unübersehbar in der Größe eines Stuhls auf Mellrichstadts Marktplatz bei den Stehtischen und Bänken stand.

Der Tour hatte sich auch Steffen Vogel, der Abgeordnete für unseren Stimmkreis angeschlossen. Beide stellten sich den Fragen, Beschwerden, Klagen und Wünschen der Bürger, die trotz des trügerischen Wetters zahlreich zum Marktplatz gekommen waren. Die von den Bürgerinnen und Bürgern angesprochenen Themen verrieten zum großen Teil persönliche Betroffenheit und wurden damit dem Motto „Wo drückt der Schuh?“ gerecht. Reinhold Herbst z. B., Fuhrunternehmer aus Willmars, der auch Erd-, Abbruch- und Baggerarbeiten leistet, ärgerte sich darüber, dass für den Straßenbau Schotter eingesetzt wird, wo Betonbruch nach seiner Meinung genauso brauchbar und zudem billiger wäre. Außerdem fand er es ungerecht, dass die LKW-Fahrer der Speditionen einschränkenden Vorschriften unterworfen werden, die für Landwirte nicht gelten.

Karl-Peter Sturm bedauerte, dass es jetzt nur noch eine zentrale Deponie für Bau- und Hausabbruch geben soll, womit der Transport des Abbruchmaterials für manche Bürger unzumutbar weit und damit teuer wird. Er forderte für jede Gemeinde eine eigene Deponie. Frau Bär konnte darauf verweisen, dass im Landratsamt Überlegungen angestellt werden, wie man das Problem entschärfen könnte. Sturm sorgte sich auch um die Qualität der einheimischen Bäche und Flüsse. Die von der EU erlassene Wasser-Rahmenrichtlinie sei bisher nicht umgesetzt, beklagte er Steffen Vogel gegenüber.

Stefan Bachmann ist Lehrer am Förderzentrum in Hohenroth. Seine Sorge, die er dem Landtagsabgeordneten Vogel vortrug, galt der Personaldecke an ausgebildeten Lehrern in Bayern. Um die Aufgabe der Inklusion zu bewältigen und um für den Ausfall von Lehrerinnen, die in den Mutterschutz gehen, einen Ausgleich und feste Reserven zu schaffen, müssten viel mehr Lehrer eingestellt werden.

Ein zu Gast weilendes Ehepaar aus Ahrweiler in Rheinland-Pfalz hätte es gern gesehen, wenn es eine bundesweite CSU gäbe. Ein großer Prozentsatz der CDU-Mitglieder ihres Bundeslandes würde sofort in eine solche CSU eintreten, wussten sie zu berichten. Frau Bär zeigte dafür Verständnis, gab aber zu bedenken: Wenn es eine bundesweite CSU gäbe, gäbe es auch eine bayerische CDU. Das würde aber eine Selbstschwächung der bayerischen CSU bedeuten, was diese verständlicherweise nicht mittragen möchte. Der Landwirt Christian Hoch fragte Frau Bär, warum die von Ministerpräsident Horst Seehofer eingeleiteten Kontakte nach Russland nicht weiterverfolgt werden. Die Staatssekretärin wies auf eine komplizierte politische Gemengelage bei den deutsch-russischen Beziehungen hin. Steffen Vogel sagte, dass es durchaus weitere Kontakte gebe, von denen die Medien nur nicht berichteten, weil sich andere Themen für die Berichterstattung vordrängten. Albrecht Erhard ist der Kreisvorsitzende des Außen- und Sicherheitspolitischen Arbeitskreises der CSU. Er fragte Frau Bär, ob man nicht gegen die Türkei Sanktionen ergreifen könne, etwa wirtschaftlicher Art, um den Türken klar zu machen, dass man mit manchen Aspekten ihrer Politik nicht einverstanden sei. Frau Bär hatte für diesen Gedanken Verständnis und wies darauf hin, dass die CSU die einzige Partei in Deutschland sei, die konsequent den Eintritt der Türkei in die EU ablehnt.

Frau Bär und Steffen Vogel hatten schon vor dem Termin in Mellrichstadt an zwei Stellen in Bad Königshofen Halt gemacht. Von Mellrichstadt aus ging es dann weiter nach Bastheim, Sulzfeld, Sulzdorf, Alsleben und zum Schluss nach Irmelshausen, wo die letzte Begegnung mit den Bürgern um 18.30 Uhr stattfand. Für die beiden Politiker dürfte damit ein anstrengender Tag zu Ende gegangen sein, bei dem sie nicht einmal Zeit für ein richtiges Mittagessen hatten.

 

 

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