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ASP-Bezirksverband Niederbayern

Der bayerisch-böhmische Grenzraum fernab der touristischen Hauptpfade

 
Anschaulich wurden bei dem öffentlichen Lichtbilderabend sowohl die geografischen als auch lebensraumspezifischen Besonderheiten von Herbert Wolf vorgestellt. Von Links der Referent mit den Ehrengästen: Dieter Schnabel (Landshut), Norbert Kiendl (Paitzkofen), Referent Herbert Wolf (Loham), Markus Stöckl (Kirchroth), Christine Sporrer-Dorner (Parkstetten) und Bürgermeister Christian Hirtreiter (Straßkirchen)

Atemberaubende Schönheit der Landschaften des Bayerwaldes und des

Böhmerwaldes vorgestellt -- Infoabend beim ASP Niederbayern

 

Paitzkofen:

Der Lohamer Naturliebhaber Herbert Wolf reist viel und hat schon sehr ungewöhnliche Orte im bayerisch-böhmischen Grenzraum aufgesucht. Die Leidenschaft für die heimische Bergwelt ist eines der Themenfelder, welches sein Leben stark prägt. Bei einem gutbesuchten öffentlichen Lichtbilderabend im Feuerwehrhaus Paitzkofen (2.11.17) stellte er seine Erlebnisse und Erfahrungen von verschiedenen Wanderungen, Kanutouren und Bergausflügen in diese spannende Mittelgebirgsregion vor.

Die Region bietet sehr viel und gerade der Naturliebhaber kommt voll auf seine Kosten. Neben den interessanten Bergen über 1000 Metern Höhe wurden vor allem auch die Tier- und Pflanzenwelten beleuchtet und deren Lebensräume dargestellt. 

Der Bayerwald ist ein etwa 100 km langes und bis 1456 Meter über dem Meeresspiegel gelegenes hohes Mittelgebirge an der Grenze zwischen dem Freistaat Bayern und der Tschechischen Republik. Der größte Teil davon liegt im niederbayerischen Regierungsbezirk.

Geologisch und geomorphologisch gehört er zum Böhmerwald, dem hohen Rumpfgebirge des böhmischen Massives. 

Entlang der tschechischen Grenze wurde das Gebirge zu einem Nationalpark umgewidmet, dessen dichter Bewuchs sich langsam zu einem bodenständigen Urwald entwickelt. Das Schutzgebiet weist mehrere Informationszentren und ein Netz von Wanderwegen auf und setzt sich jenseits der Grenze im größeren tschechischen Nationalpark Sumava fort.

Wolf stellt mehrere sehr imposante Regionen vor und konnte mit wunderbaren Landschaftsaufnahmen gerade die bergsteigerisch interessanten Segmente herausarbeiten. Beispielsweise ist recht markant der Höhenunterschied zwischen der 300 bis 350 m hoch gelegenen Donauebene und den höchsten Gipfeln des Vorwaldes, zum Beispiel dem 1121-Meter hohem Einödriegel mit also immerhin 800 m Höhenunterschied auf nur wenigen Kilometern Entfernung. Aufgrund der Hebung des Bayerischen Waldes, von der auch der Neuburger Wald und der Sauwald betroffen war, kam es zu einem Einschneiden der Flüsse Donau und Inn  in diesen Bereich des kristallinen Grundgebirges und somit zur Ausbildung einer engen Talzone ab Pleinting donauabwärts ins Österreichische und südlich von Passau, wo sich der Inn ein tief eingeschnittenes Bett geschaffen hat.  

Im Bereich des „Inneren Bayerischen Waldes“ liegt zwischen Lusen und dem Großen Falkenstein der Nationalpark "Bayerischer Wald", der erste Nationalpark Deutschlands. Er wurde 1970 auf zunächst 130 km² gegründet und 1997 mit der Staatswaldregion zwischen Rachel und Falkenstein fast verdoppelt. Der Park umfasst einige Gebiete mit dichtem „Urwald“.  

Mit dem tschechischen Nationalparkgebiet Sumava bildet er das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas. Schonung und Klima ließen fast 4 Jahrzehnten ungewohnte, vielfältige Naturwälder heranwachsen, nachdem die Bergfichten-Hochwälder der südwestlichen Hänge gegen Mitte des 20. Jahrhunderts von u.a. Käferfraß vernichtet worden waren.  

Daher gibt der Nationalpark als Anziehungspunkt von Reisenden zugleich Anschauung in Naturkunde. Dazu dienen vor allem die beiden Besucher-Informationszentren „Hans-Eisenmann-Haus“ in Neuschönau und „Haus der Wildnis“ am Fuße des "Großen Falkensteins" mit ihren weitläufigen Freigehegen in denen die Besucher u. a. Bären, Luchse, Wölfe, Wildschweine, Wildpferde oder Urrinder sehen können.

Dargestellt wurde die neueste Geschichte und der Zeitraum des "Kalten Kriegs" zwischen den Blöcken, wo der Ostblock und die westlichen Staaten hier nicht nur durch Beobachtungs- und Horchposten aufeinander trafen. Die Zeiten des stark reglementierten Reisestroms in schöne Böhmerland mit dem damals verpflichtenden Zwangsumtausch und den Grenzregularien wurden beleuchtet. Von dieser Zeit aber auch den neusten Entwicklungen berichtete der Referent anschaulich.

Die "via nova - ein neuer europäischer Pilgerweg"  ein im Juli 2004 neu geschaffener europäischer Pilgerweg der alte Wallfahrtsrouten vereinigt wurde vorgestellt.

Die via Nova verbindet mit drei Hauptsträngen und einigen Nebenwegen Weltenburg/Kelheim, die Marienwallfahrt Bogenberg, das böhmische Pribram und St. Wolfgang im Salzkammergut.

Erst 2010 wurde mit dem 250 km langen Teilstück vom niederbayerischen Vilshofen nach Příbram erstmals auch Tschechien an dieses Pilgerwegenetz angeschlossen. Auch dieser Weg ist nicht neu geschaffen, sondern geht auf einen alten Wallfahrtsweg zurück, der jedoch im Zeitalter des Kalten Krieges kaum mehr genutzt wurde und erst in den letzten Jahren wieder regelmäßiger von Pilgern begangen wurde.

2014 wurde der Europäische Pilgerweg über das oberpfälzische Aufhausen bis nach Weltenburg Kelheim erweitert.   

Wolf ging aber auch auf die spätmittelalterliche Geschichte u.a. der starken Festungsanlagen im ostbayerischen Raum, sowie den verschiedenen kriegerischen Auseinandersetzung der bedeutenden Burgen in der Großregion ein. Gerade die Fotografien der weitläufigen Landschaften, aber auch die Vogelwelt und die Abbildungen der "rauhen bayerisch-böhmischen Bergwelt" machten den Lichtbilderabend zu einem Erlebnis. Es wurde darauf hingewiesen, dass auch im kommenden Jahr am Allerseelentag, 2. November 2018, wieder ein Lichtbilderabend vom aussen- und sicherheitspolitischen Arbeitskreis im Paitzkofner Florianistüberl durchgeführt wird.   

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